Corona-Ausbruch nach Gottesdienst - Lufthansa fliegt wieder öfter

24.05.2020 17:00

Nun hat es doch wieder einen größeren Corona-Ausbruch gegeben. Nach
einem Gottesdienst sind mehr als 100 Menschen infiziert. Die
Lufthansa fliegt wieder öfter ins Ausland.

Frankfurt/Wiesbaden (dpa/lhe) - Nach einem Gottesdienst in Frankfurt
gibt es viele Corona-Infektionen auf einen Schlag.
Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) warnt: «Das Virus ist weiterhin
da und will sich verbreiten.» Ein Überblick:

CORONA-AUSBRUCH: Nach einem Gottesdienst in einer Kirchengemeinde der
Baptisten in Frankfurt sind mehr als 100 Menschen mit dem Coronavirus
infiziert. Sie leben in Frankfurt, Hanau, dem Wetterau- und dem
Hochtaunuskreis - und möglicherweise sind es noch mehr, wie
Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) mitteilte. Der Gottesdienst war
schon vor zwei Wochen, die meisten infizierten sich wohl erst danach
im Umfeld der Gemeinde. Der stellvertretende Vereinsvorsitzende der
Gemeinde der Evangeliums-Christen-Baptisten, Wladimir Pritzkau,
sagte: «Wir haben alle Versammlungen abgebrochen. Gottesdienste gibt
es jetzt nur noch online.» Der Hanauer Oberbürgermeister Claus
Kaminsky kritisiert den Informationsfluss. «Das grenzt an
organisierte Unverantwortlichkeit.»

MEHR FLÜGE: Die Lufthansa will ab Juni wieder mehr Flüge anbieten -
und hat dazu konkrete Ziele genannt. In der zweiten Junihälfte sollen
von Frankfurt aus rund 20 Ziele wieder angeflogen werden - darunter
Heraklion (Kreta), Rhodos, Dubrovnik, Faro, Venedig, Ibiza und
Malaga. Auch die Ferieninsel Mallorca soll ab Mitte Juni deutlich
häufiger angeflogen werden. Die spanische Regierung hatte
angekündigt, im Juli die Grenzen für ausländische Touristen zu
öffnen. In Lufthansa-Kreisen wurde darauf hingewiesen, bei bereits
stattfindenden Flügen auf die Ferieninsel seien oft Passagiere etwa
mit doppelter Staatsangehörigkeit an Bord.

ÖPNV leidet: Leere Busse und Bahnen in der Corona-Krise haben für
hohe Einnahmeverluste im öffentlichen Nahverkehr gesorgt. Zahlen dazu
stünden noch nicht fest, sagte der Geschäftsführer des
Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV), Knut Ringat. Die Einnahmeausfälle
müssten über öffentliche Mittel ausgeglichen werden. Zwischenzeitlich

seien die Fahrgastzahlen auf 10 bis 20 Prozent zurückgegangen.
Derzeit füllten sich die Busse und Bahnen allmählich wieder. «Wir
werden wahrscheinlich bis 2022 oder 2024 brauchen, bis wir die
früheren Fahrgastzahlen wieder haben. Der RMV besteht kommenden
Donnerstag (28. Mai) seit 25 Jahren.

FALLZAHLEN: Die Zahl der bestätigten Corona-Fälle ist von Samstag auf

Sonntag um 92 auf 9762 gestiegen. Wie das Sozialministerium in
Wiesbaden mitteilte, sind seit Beginn der Pandemie bis Sonntag
(Stand 14.00 Uhr) 460 Menschen an oder mit der Krankheit gestorben,
zwei mehr als am Samstag. Bei den regionalen Zahlen der Corona-Fällen
sind die Städte und Gemeinden weiterhin ein gutes Stück von der
Grenze von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen
sieben Tagen entfernt. Wenn diese erreicht wird, drohen wieder
Beschränkungen des öffentlichen Lebens. In den meisten Fällen war die

Zahl der Neuinfektionen einstellig. Am höchsten war diese sogenannte
Sieben-Tage-Inzidenz in Frankfurt mit 18, gefolgt von Wiesbaden mit
15 und dem Kreis Main-Taunus mit 13.

PROTESTE: Aus Protest gegen die Einschränkungen wegen der
Corona-Pandemie sind in Hessen am Samstag Menschen in mehreren
Städten auf die Straße gegangen. In Frankfurt zählte die Polizei rund

200 Teilnehmer, bei einer Gegen-Demo etwa 100. Weil sich einige der
Teilnehmer der Haupt-Veranstaltung nicht an die Hygiene-Regeln
hielten, müssen sie mit einem Bußgeld rechnen. Proteste gab es auch
in Büdingen (Wetteraukreis), laut Polizei kamen rund 20 Menschen.

GEISTERSPIEL: Während des Fußballspiels der 2. Bundesliga in
Darmstadt ist es laut Polizei am Samstag zu keinen Fan-Ansammlungen
rund um das Stadion oder in der Stadt gekommen. Der SV Darmstadt 98
empfing am Samstagmittag zuhause den FC St. Pauli. Laut
Polizeisprecher war gegen 13.30 alles ruhig. Aufgrund der
Corona-Krise finden die Spiele der ersten und zweiten Bundesliga
unter strengen Hygieneauflagen und ohne Zuschauer statt.