Behörde schließt auch Hamburger LPT-Tierversuchslabor

14.02.2020 16:00

Hamburg (dpa) - Einen Monat nach Schließung des umstrittenen
LPT-Tierversuchslabors im niedersächsischen Mienenbüttel muss auch
das Labor der Firma am Hamburger Hauptsitz in Neugraben dichtmachen.
Die Gesundheitsbehörde entzog der Firma am Freitag «mit sofortiger
Wirkung» die Erlaubnis zur Tierhaltung. Nach sorgfältiger Prüfung sei

die tierschutzrechtliche Zuverlässigkeit des Betreibers aufgrund
schwerwiegender Verstöße gegen das Tierschutzgesetz sowie weiterer
Verstöße gegen Dokumentations- und Genehmigungspflichten nicht mehr
gegeben, erklärte Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia
Prüfer-Storcks (SPD).

Tierschützer hatten im Oktober aufgedeckt, dass in dem Labor in
Mienenbüttel Hunde und Affen bei Versuchen misshandelt wurden. Ein
Aktivist hatte sich als Mitarbeiter eingeschlichen und Aufnahmen von
schreienden Affen und blutverschmierten Hunden gemacht. Die
Staatsanwaltschaft Stade ermittelt wegen Verstößen gegen den
Tierschutz und ließ das Labor Ende November durchsuchen.

Grundlage der Entscheidung seien auch die Ermittlungen gewesen.
«Damit dieser Widerruf rechtssicher erfolgen konnte, war es vor allem
nötig, die Akten und Informationen der Staatsanwaltschaft sowie den
Bescheid des Landkreises Harburg über den LPT-Standort Mienenbüttel
in Niedersachsen sorgfältig auszuwerten», sagte Prüfer-Storcks. «Nu
n
muss eine tierschutzgerechte Unterbringung für die Tiere
sichergestellt werden.» Im Gegensatz zum Standort Mienenbüttel
handele es sich bei den Versuchstieren in Hamburg-Neugraben in erster
Linie um Mäuse und Ratten, sagte die Senatorin.

«Der Entzug der Tierhaltungserlaubnis für das Hamburger Labor ist
eine überfällige Notwendigkeit und nach der Schließung des Labors in

Mienenbüttel auch der einzig logische Schritt», sagte die Hamburger
Tierschutzexpertin der Grünen-Fraktion, Christiane Blömeke. «Ich
erwarte, dass die Schließung zweier LPT-Standorte nun auch
Auswirkungen auf den verbleibenden Standort in Schleswig-Holstein
hat.» Unklar sei weiterhin, «welche Auswirkungen die Manipulation von
Testreihen in den Laboren von LPT auf die Zulassung von Medikamenten
hatte», so Blömeke.