Covid-19: Zahlen steigen weiter - Aida Cruises beendet Asien-Saison

14.02.2020 09:54

Die ersten Passagiere gehen von Bord der «Westerdam». Aida Cruises
beendet die Asien-Saison vorzeitig. Nach einer neuen Zählweise
steigen in China die Infektionen auf fast 64 000. Was passiert bei
der Rückreisewelle nach den Neujahrsferien?

Peking/Phnom Penh (dpa) - Ein Ende der Covid-19-Epidemie ist weiter
nicht in Sicht. Die Infektionen mit Sars-CoV-2 in China sind mit
einer neuen Zählweise der Infektionen am Freitag wieder stark
gestiegen. Landesweit sind derzeit in der offiziellen Statistik knapp
64 000 Infektionen erfasst, knapp 1400 Menschen starben demnach. Die
Dunkelziffer liegt Experten zufolge aber deutlich höher. Die
Rückreise von zig Millionen Chinesen, die nach den wegen Covid-19
verlängerten Ferien nun wieder an ihre Arbeitsplätze zurückkehren,
lässt neue Infektionswellen befürchten.

«Wir sind momentan nicht in der Lage, die Dynamik des Ausbruchs zu
prognostizieren», sagte der Präsident des Robert Koch-Instituts
(RKI), Lothar Wieler, am Donnerstag in Berlin. Bisherige Daten deuten
demnach darauf hin, dass die neue Lungenerkrankung Covid-19 in China
ähnlich verläuft wie eine schwere Grippewelle. Der Berliner Virologe

Christian Drosten erklärte, dass sich Sars-CoV-2 wie das
Influenzavirus im Rachen vermehre, was es ansteckender mache als
anfangs vermutet.

Ziel in Deutschland ist es nach RKI-Angaben, eine Erkrankungswelle
hinauszuzögern. Möglichst vermieden werden soll demnach, dass eine
Covid-19- und die derzeit auch in Deutschland laufende Grippewelle
zusammenfallen. Drosten wies allerdings auf perspektivisch begrenzte
Möglichkeiten der Eindämmung hin: «Irgendwann wird es wahrscheinlich

dazu kommen, dass unbemerkte Infektionen plötzlich bemerkt werden.»
Die derzeit aus China bekannten Zahlen seien mit Vorsicht zu
genießen, betonten die Experten. «Es sind Trends», so Wieler.

Aufatmen konnten die Menschen auf dem Kreuzfahrtschiff «Westerdam»:
Nach tagelanger Irrfahrt durch asiatische Gewässer konnten die ersten
von knapp 2300 Gästen und Crewmitgliedern am Freitag in Kambodscha
das Schiff verlassen. In Thailand sollte am Freitag die «Aidavita» im
Hafen von Laem Chabang bei Bangkok ankommen. Das Kreuzfahrtschiff mit
rund 1100 Passagieren zumeist aus Deutschland und 400
Crew-Mitgliedern hatte zuvor nicht in Vietnam anlegen dürfen.

Die Reederei stellt die Asienfahrten der «Aidavita» und «Aidabella»

nun wegen der Covid-19-Ausbreitung und zunehmender
Reiseeinschränkungen für diese Saison ein. Regulär hätte das Progra
mm
noch bis April gedauert, für jedes Schiff seien bis dahin noch vier
Reisen geplant gewesen, hieß es von Aida Cruises. «Die Schiffe werden
in andere Fahrtgebiete überführt.»

Nach dem Nachweis von inzwischen mehr als 200 Infektionen auf der vor
Yokohama in Quarantäne liegenden «Diamond Princess» zögern asiatisc
he
Länder, Kreuzfahrtschiffe überhaupt noch in ihre Häfen einlaufen zu
lassen. Nachdem die «Westerdam» von Thailand, Taiwan, Japan, Guam und
den Philippinen abgelehnt worden war, hatte das aus Hongkong kommende
Schiff am Donnerstag in Sihanoukville in Kambodscha anlegen können.
Unter den Passagieren waren nach Angaben der Reederei Holland America
Line auch 57 Deutsche. Sars-CoV-2-Fälle gab es bisherigen
Erkenntnissen zufolge an Bord nicht.

In China war die Zahl erfasster Infektionen am Donnerstag dramatisch
um etwa 15 000 gestiegen, weil sich die Zählweise in der besonders
betroffenen Provinz Hubei verändert hatte. Die Vorgabe ist dort nun,
auch klinische Diagnosen von Covid-19 zu erfassen, da die DNA-Tests
im Labor oft unzureichende Ergebnisse lieferten. Bei den 4823 neuen
Infektionen mit Sars-CoV-2 von Donnerstag auf Freitag allein in Hubei
wurden 3095 Fälle mit nur klinischer Diagnose mitgerechnet, wie die
Gesundheitskommission der Provinz berichtete. Im Rest des Landes wird
diese Zählweise nicht verwendet.

Außerhalb von Festland-China sind in mehr als zwei Dutzend Ländern
rund 580 Fälle bestätigt. Auch hier gehen viele Experten allerdings
von zahlreichen nicht erfassten Infektionen aus. In Deutschland
wurden bisher 16 Infektionen festgestellt.