Experte: Situation für Menschen auf Schiff in Quarantäne belastend

13.02.2020 09:39

Berlin (dpa) - Seit Tagen sind Tausende Menschen wegen des
Coronavirus auf dem Kreuzfahrtschiff «Diamond Princess» gefangen -
das kann für die Psyche sehr anstrengend sein. «Man kann davon
ausgehen, dass das für einen Teil momentan eine sehr, sehr, sehr
belastende Situation darstellt», sagte Florian Stoeck,
Notfallpsychologe bei der Bremer Polizei, der Deutschen
Presse-Agentur. Allerdings könne man das nicht für alle Menschen
sagen - das Empfinden einer solchen Situation sei sehr subjektiv.

Die «Diamond Princess» ist im japanischen Yokohama unter Quarantäne
gestellt, rund 3600 Passagiere und Crewmitglieder dürfen sie nicht
verlassen. Bis Donnerstagmorgen wurde bei mehr als 210 Passagieren
das Virus Sars-CoV-2 nachgewiesen. Wie viele es tatsächlich sind, ist
unbekannt. Die Quarantäne gilt noch bis mindestens bis zum 19.
Februar. Menschen mit nachgewiesener Infektion werden in Kliniken
gebracht.

Viele Passagiere müssen in Innenkabinen ohne Fenster oder Balkon
ausharren. Dieser Entzug von Sinnesreizen und Kontakten kann hoch
belastend sein, sagte Stoeck. Fachleute sprechen von Deprivation. Aus
der Forschung sei bekannt, dass eine solche Isolation über einen
längeren Zeitraum zu schweren Schäden führen kann, im Extremfall
sogar bis zum Tod.

Bei den Menschen auf der «Diamond Princess» komme noch eine große
Ungewissheit hinzu. «Wie bedrohlich ist die Gesamtsituation? Bin ich
vielleicht auch krank?» Das seien Fragen, die sich Passagiere und
Crewmitglieder vermutlich stellten, sagte der Psychologe. Ebenso, ob
das eigene Leben gefährdet sei. Daneben würden vermutlich etwa Fragen
zur Rückreise, möglicherweise notwendigen Flugumbuchungen und dadurch
entstehende finanzielle Sorgen die Menschen beschäftigen.

Psychologen vor Ort könnten nun vor allem mit Gesprächen helfen.
Wichtig sei, für Transparenz zu sorgen und darüber aufzuklären, wie
gefährlich die Situation tatsächlich ist. Für akute Probleme wie etwa

Panikattacken durch Platzangst könnten gemeinsam Lösungsansätze
erarbeitet werden. Unter anderem durch Atemübungen und
Ablenkungsstrategien könnten die Leute unterstützt werden.