Coronavirus stoppt Formel 1: Rennen in China verschoben

12.02.2020 15:00

Das Coronavirus bringt auch den Formel-1-Kalender durcheinander. Das
Rennen in China kann nicht wie geplant stattfinden. Zweifel gibt es
auch an einem weiteren WM-Lauf.

Shanghai (dpa) - Das Coronavirus bremst jetzt auch die Formel 1 aus.
Der Weltverband FIA verschob am Mittwoch unter dem Eindruck der
Epidemie den für 19. April geplanten Großen Preis von China. Der
Grand Prix in Shanghai war eigentlich als vierter der 22 Saisonläufe
geplant gewesen und soll nun zu einem späteren Zeitpunkt in diesem
Jahr nachgeholt werden, «wenn die Situation sich verbessert». Die
Chancen auf einen Nachholtermin erscheinen indes gering, da der
Kalender mit 21 weiteren Rennen bis Ende November bereits sehr üppig
gefüllt ist und kaum weiteren Raum bietet.

Der Veranstalter des Rennens habe nach längeren Gesprächen mit der
FIA, dem chinesischen Motorsportverband und der Sportbehörde von
Shanghai um die Verlegung gebeten, hieß es in der Mitteilung. Mit
dieser Entscheidung solle «die Gesundheit und die Sicherheit der
reisenden Mitarbeiter, der WM-Starter und Fans» gesichert werden. Die
Formel 1 wolle aber «so bald wie möglich» wieder in China fahren.

Die Gesamtzahl der Opfer durch das Virus Sars-CoV-2 auf dem
chinesischen Festland liegt inzwischen bei mehr als 1100. Bei
mehr als 44 000 Menschen wurde die Covid-19 genannte
Erkrankung bestätigt. Weltweit sind außerhalb des chinesischen
Festlands mittlerweile mehr als 500 Infektionen bestätigt, davon 16
in Deutschland.

Die Formel-1-Saison startet am 15. März im australischen Melbourne,
eine Woche später geht es in der Wüste von Sakhir in Bahrain weiter.
Am 5. April soll erstmals in Vietnam auf einem Stadtkurs in Hanoi
gefahren werden. Doch auch an der Premiere dieses Rennens gibt es
inzwischen Zweifel wegen des Coronavirus'. Hanoi liegt nur rund 150
Kilometer entfernt von der Grenze zu China.

In Vietnam waren zuletzt Schulen in 26 von 64 Provinzen für eine
Woche geschlossen worden. Es wurde ein zeitweiliger Einreisestopp für
chinesische Touristen verhängt, Flugverbindungen wurden gestrichen.
Das Nachbarland Chinas hat jedoch nur wenige bestätigte Infektionen.

Offen blieb zunächst, ob es im April einen Ersatz für den Grand Prix
in China gibt. Die Macher am Hockenheimring hatten Spekulationen
bereits zurückgewiesen, da die Zeit für Vorbereitung und Vermarktung
kaum ausreichend ist. Auch für andere Rennstrecken dürfte es ein
wenig lukrativer Kraftakt sein, als Ausweich-Gastgeber einzuspringen.
In diesem Fall müsste die Formel 1 zwischen der Reise nach Vietnam
und dem Europa-Auftakt im niederländischen Zandvoort vier Wochen
pausieren.

Vor der Verlegung des Formel-1-Auftritts in Shanghai hatte die
vollelektrische Rennserie Formel E schon ihr Gastspiel im
chinesischen Sanya abgesagt, das für den 21. März geplant war. Auch
eine Reihe weiterer Sportereignisse wurde wegen des Coronavirus'
gestrichen, darunter die Hallen-WM der Leichtathleten in Nanjing, die
Weltcup-Skirennen in Yanqing und das internationale Reitturnier in
Hongkong. Auch etliche Fußballspiele, etwa der asiatischen Champions
League, wurden verlegt.

Wegen der Ausbreitung der Infektionskrankheit zeigten sich auch die
Organisatoren von Olympia 2020 in Tokio «ernsthaft besorgt». Die
Vorbereitungen für die Sommerspiele und die Paralympics in Japan
laufen aber weiter.

Eine Rennabsage in der Formel 1 gab es zuletzt 2011. Damals wurde der
Große Preis von Bahrain zum Auftakt der Saison wegen politischer
Unruhen in dem Land nicht ausgetragen.

China ist seit 2004 mit dem Shanghai International Circuit Gastgeber
der Motorsport-Königsklasse. Für Autobauer und viele als Sponsoren
der Rennserie engagierte Unternehmen ist der chinesische Markt von
großer Bedeutung. Daher tat sich die Formel 1 schwer mit der
Entscheidung über eine Absage des WM-Laufs. Mercedes-Teamchef Toto
Wolff hatte gesagt: «Nicht zu fahren, das wäre schade. Wir hatten im
vergangenen Jahr volle Tribünen, es war ausverkauft.» Ähnlich hatte
sich auch Formel-1-Sportchef Ross Brawn geäußert und die Suche nach
einem späteren Ausweichtermin angekündigt.