Forscher: Milde Winter lassen Zecken ganzjährig aktiv sein

12.02.2020 05:30

Renthendorf/Jena (dpa) - Der anhaltend milde Winter begünstigt
Zecken. Dauerte die Zeckensaison früher von etwa März bis Ende
Oktober, so sind die Spinnentiere inzwischen ganzjährig aktiv, wie
der Jenaer Zeckenforscher Jochen Süss sagte. «Bei Bodentemperaturen
ab sieben Grad marschieren sie los.» Zecken sind Überträger von
Krankheiten wie Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).

Hinzu komme, dass eingewanderte Arten wie Hyalomma-Zecken durch
fehlenden Frost hierzulande überwintern könnten, so Süss. Solche in
Nordafrika, Südeuropa und Regionen Asiens heimischen Zecken seien
schon in der Vergangenheit durch Vögel eingeschleppt worden, hätten
dann aber den Winter nicht überlebt. Das habe sich durch die milde
Witterung infolge des Klimawandels geändert. «Jetzt schafft sie es,
auch in Deutschland ihren natürlichen Zyklus vom Ei über die Larve
und Nymphe hin zum erwachsenen Tier zu durchlaufen.»

Die Hyalomma-Zecke sei nicht nur deutlich größer als der Gemeine
Holzbock, sie bewege sich auch mit relativ hohem Tempo auf ihren Wirt
zu, erläuterte Süss. Und sie ist potenzieller Überträger des
gefährlichen Krim-Kongo-Fieber-Virus. Eine Infektion mit diesem Virus
ruft eine Erkrankung hervor, die häufig als hämorrhagisches Fieber
verläuft und tödlich enden kann. In Deutschland wurden bisher nur
vereinzelte eingeschleppte Fälle nach Reisen bekannt.

Für FSME-Risikogebiete wird eine Schutzimpfung empfohlen; gegen die
von Bakterien übertragene Borreliose gibt es keinen zugelassenen
Impfstoff. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts in Berlin wurden
2018 gut 580 FSME-Erkrankungen gemeldet; bei Borreliose wird von
jährlich Zehntausenden Patienten in Deutschland ausgegangen.