Schwere Nebenwirkungen durch Wehen-auslösende Tablette

11.02.2020 17:28

Berlin (dpa) - In Deutschland nutzen Geburtsmediziner zur Einleitung
der Wehen Medienberichten zufolge ein Medikament, das in der
Geburtshilfe nicht zugelassen ist. Das könne in Einzelfällen zu
schweren Komplikationen bei Mutter und Kind führen - bis hin zum Tod
von Babys, berichten die «Süddeutsche Zeitung» und der Bayerische
Rundfunk. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe
(DGGG) bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass Risiken bekannt
seien, wenn das Medikament Cytotec außerhalb des durch die
Arzneimittelbehörden zugelassenen Gebrauchs verordnet werde. Die
Anwendung werde aber unter anderem von der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) weiter empfohlen.

Cytotec ist in Deutschland als Magenmedikament zugelassen. Im Rahmen
der Therapiefreiheit können Ärzte die Tablette aber auch als
Wehenauslöser einsetzen, wenn eine Schwangere vorher zustimmt.

In Einzelfällen seien nach der Gabe von Cytotec schwere Gehirnschäden
wegen einer Sauerstoffunterversorgung des Kindes aufgetreten, heißt
es in den Medienberichten. In seltenen Fällen sei die Gebärmutter der
Frauen gerissen. Mehrere Babys in Deutschland und Frankreich seien
laut Gutachten, Fallberichten und Gerichtsurteilen gestorben.

Dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) lagen
bis Ende Oktober 2019 insgesamt 74 Verdachtsmeldungen unerwünschter
Arzneimittelwirkungen im Zusammenhang mit Cytotec bei der
Geburtseinleitung vor, wie Sprecher Maik Pommer der Deutschen
Presse-Agentur mitteilte. Darunter sei ein Todesfall: Ein
Neugeborenes sei vier Tage nach der Geburt durch eine Lungenblutung
gestorben. Die Mutter hatte Cytotec und eine weiteres Präparat
(Misodel) zur Geburtseinleitung erhalten.

Für Angehörige der Heilberufe ist bei solchen Todesfällen allerdings

eine Meldepflicht nach den Regelungen des Arzneimittelgesetzes nicht
vorgesehen. Die Zahlen könnten also auch höher liegen als dem BfArM
bekannt. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und
Geburtshilfe gibt es Alternativen zu Cytotec.