China-Rückkehrer in Berlin angekommen - Außenminister erleichtert

09.02.2020 14:18

In China steigt die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten weiter.
20 Rückkehrer kommen nun in Berlin in Quarantäne. Das DRK hat
umfangreiche Vorbereitungen getroffen, es gibt aber auch Sorge.

Berlin (dpa) - Ein Flugzeug der Bundeswehr ist mit Rückkehrern aus
der schwer vom Coronavirus betroffenen chinesischen Stadt Wuhan in
Berlin gelandet. Die Maschine kam am Sonntagmittag auf dem
abgeschirmten militärischen Teil des Flughafens Tegel an.
Außenminister Heiko Maas (SPD) äußerte sich nach der Ankunft
erleichtert über die Ausreise der Deutschen.

Die 20 China-Rückkehrer - Deutsche und ihre Familienangehörigen -
kommen nun in Quarantäne. Sie werden in einem Gebäude der Kliniken
des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Berlin-Köpenick am südöstlichen

Stadtrand untergebracht. «Auch bei dieser Rückkehr gilt, dass die
Sicherheit an allererster Stelle steht», sagte Maas. Auch die Klinik,
das DRK und die Berliner Gesundheitsverwaltung betonten, für das
Klinikpersonal, Patienten und die Bevölkerung bestehe kein Grund zur
Sorge.

Nach der Ankunft in Berlin-Tegel sollten die Menschen laut
Gesundheitsverwaltung von einem Amtsarzt in Empfang genommen werden.
Er sollte prüfen, ob bei Passagieren während des Fluges Symptome
aufgetreten sind. Alle Passagiere würden auf das Coronavirus
getestet, hieß es. Mit einem Ergebnis wurde für Montagmittag
gerechnet.

Die Rückkehrer wohnen für 14 Tage in einem Verwaltungsgebäude, strikt

getrennt von der regulären Patientenbetreuung, wie das DRK mitteilte.
Auch die Betreuer gehörten nicht zum Mitarbeiterstamm der Kliniken.
«Diese strikte räumliche und personelle Trennung trägt maßgeblich z
ur
Sicherheit des Personals, der Besucherinnen und Besucher sowie der
Patientinnen und Patienten in Köpenick bei», sagte ein DRK-Sprecher.

Für die Rückkehrer seien zwölf Zimmer eingerichtet, sagte der Leiter

der internationalen Zusammenarbeit des DRK, Christof Johnen, am
Sonntagvormittag. Es wurden Einzelpersonen, Paare und zwei Familien
erwartet. «Für die Menschen ist es eine belastende Situation, deshalb
soll ihnen der Aufenthalt so angenehm wie möglich gemacht werden.»
Den Menschen stehe unter anderem Fernsehen und W-Lan zur Verfügung,
für die Kinder gebe es Spielzeug. Das Essen komme von einem Caterer
in Einmalverpackung, die dann entsorgt werde.

Die Rückkehrer dürfen aber ihre Zimmer verlassen. Im Hof gibt es für

sie einen mit einem Zaun abgeschirmten Bereich. Nach Worten des
Ärztlichen Direktors der DRK Kliniken, Professor Matthias Pross,
würden die China-Rückkehrer sicherheitshalber in kleine Gruppen
aufgeteilt, um die Möglichkeit einer eventuellen Ansteckung
zusätzlich einzuschränken.

Das DRK geht davon aus, dass sie alle gesund sind. «Wir gehen nicht
davon aus, dass wir medizinische Versorgung sicherstellen müssen»,
sagte Johnen am Vormittag. Die Rückkehrer sollen im Schichtsystem
rund um die Uhr von jeweils sieben freiwilligen DRK-Helfern betreut
werden. Es handelt sich beispielsweise um Notfallsanitäter und
Pflegekräfte. Es gehe hauptsächlich um die soziale Betreuung, bei
Bedarf stehe auch ärztliche Hilfe bereit.

Unterdessen gibt es in Köpenick auch Sorge wegen der Unterbringung
der Menschen aus China und der aus Sicht von Anwohnern spärlichen
Informationen. «Egal, ob es in Köpenick ist oder wo anders, das
gehört nicht in eine Großstadt», sagte eine Köpenickerin mit einem

Protest-Plakat vor der Klinik.

In der Bundeswehr-Maschine, die in Berlin landete, waren auch 17
Menschen aus anderen europäischen Ländern und deren Angehörige, hie
ß
es aus dem Auswärtigen Amt. Sie würden nun unmittelbar mit
Sonderflügen nach Luxemburg, in die Niederlande sowie nach Österreich
und Rumänien weiterreisen.

Vor gut einer Woche waren bereits rund 100 deutsche Staatsbürger und
Familienangehörige mit einer Maschine der Bundeswehr in Frankfurt am
Main angekommen. Sie sind in einer Kaserne im pfälzischen Germersheim
in Quarantäne.

Die Zahl der bestätigten Infektionen durch das Virus stieg am Sonntag
in China um weitere 2656 auf 37 198 Fälle. Außerhalb Chinas
sind bislang mehr als 300 Infektionen bestätigt, davon 14 in
Deutschland. Am Sonntag wurde der erste Fall auf Mallorca bekannt.

Die Zahl der Todesopfer durch das neue Coronavirus überstieg die de
r
Sars-Pandemie vor 17 Jahren. Mit 89 neuen Todesfällen durch
die Lungenerkrankung, die Chinas Gesundheitsbehörde am Sonntag
bestätigte, kletterte die Gesamtzahl der Opfer weltweit auf 813.