Forscher: Coronaviren halten sich bis zu neun Tage auf Klingeln  

07.02.2020 14:45

Um Infektionen mit Coronaviren vorzubeugen, sind verschiedene
Desinfektionsmittel wirksam. Die Viren können auf Türklinken oder
Klingeln tagelang infektiös bleiben.

Greifswald/Bochum (dpa) - Coronaviren können sich bei Raumtemperatur
bis zu neun Tage lang auf Oberflächen halten und infektiös bleiben.
Im Schnitt überleben sie zwischen vier und fünf Tagen, schreibt ein
Forschungsteam aus Greifswald und Bochum im «Journal of Hospital
Infection». «Kälte und hohe Luftfeuchtigkeit steigern ihre
Lebensdauer noch», sagte Günter Kampf vom Institut für Hygiene und
Umweltmedizin der Universitätsmedizin Greifswald am Freitag.

Da es gegen Coronaviren keine spezifische Therapie gebe, sei die
Vorbeugung gegen Ansteckungen wichtig. Wie alle Tröpfcheninfektionen
verbreite sich das Virus auch über Hände und Oberflächen, die häufi
g
angefasst werden. «Im Krankenhaus können das zum Beispiel Türklinken

sein, aber auch Klingeln, Nachttische, Bettgestelle und andere
Gegenstände im direkten Umfeld von Patienten», erklärte Kampf.  

Gemeinsam mit dem Virologen Eike Steinmann von der Ruhr-Universität
Bochum hatte Kampf für ein geplantes Fachbuch Erkenntnisse aus
Studien über Coronaviren und deren Inaktivierung zusammengestellt.
Aufgrund der aktuellen Lage veröffentlichten sie die
wissenschaftlichen Fakten vorab. Sie nehmen an, dass ihre
Erkenntnisse über andere Coronaviren auf das neue Virus 2019-nCoV
übertragbar sind. «Es wurden unterschiedliche Coronaviren untersucht,
und die Ergebnisse waren alle ähnlich», erklärte Steinmann.

Zur Desinfektion empfehlen die Forscher Mittel auf der Basis von
Ethanol, Wasserstoffperoxid oder Natriumhypochlorit. Wende man diese
in richtiger Konzentration an, reduzierten sie die Zahl der
infektiösen Coronaviren binnen einer Minute drastisch - von einer
Million auf nur noch 100 krankmachende Partikel. Würden Präparate auf
anderer Wirkstoffbasis verwendet, sollten sie zumindest begrenzt
gegen Viren wirken. «In der Regel genügt das, um die Gefahr einer
Ansteckung deutlich zu reduzieren», meinte Kampf. Andere Forscher
hatten zuvor zu häufigerem Händewaschen geraten.