Anstieg neuer Virusfälle wächst langsamer - Erneut 73 Tote in China

07.02.2020 03:44

Mehr als 30 000 Infektionen mit dem neuen Coronavirus sind bestätigt.
Die Zahl der Toten steigt auf 636. Auf einem Kreuzfahrtschiff werden
weitere 41 Ansteckungen entdeckt. Wie entwickelt sich die Epidemie?

Peking (dpa) - Der tägliche Anstieg der neu bestätigten Infektionen
mit dem Coronavirus in China scheint sich leicht stabilisiert zu
haben - ist aber weiter sehr hoch. Die Zahl der Ansteckungen legte
bis Freitag erneut um 3143 zu. Damit sind 31 161 Virusfälle
bestätigt, wie die Gesundheitskommission in Peking berichtete. Es war
der zweite Tag in Folge, an dem nicht mehr neue Ansteckungen als am
Vortag gemeldet wurden. Innerhalb eines Tages starben aber wieder 73
Patienten an der neuartigen Lungenkrankheit - so viele wie am Vortag.
Damit sind in China schon 636 Todesfälle zu beklagen.

Ob mit den neuen Zahlen bereits ein weitergehender Trend bei den
Ansteckungen erkennbar ist, scheint offen, da die Statistik auch mit
der Zahl der laufenden Untersuchungen schwanken kann. Zudem sind
weiter mehr als 26 000 Verdachtsfälle registriert. Der Verlauf der
Epidemie ist aus Sicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auch
schwer vorherzusagen. Außerhalb der besonders betroffenen Gebiete in
Zentralchina scheine die Lage in China im Moment relativ stabil zu
sein, sagte WHO-Experte Michael Ryan in Genf.

In Deutschland gab es am Vortag einen 13. Fall. Allein elf stehen im
Zusammenhang mit der bayerischen Firma Webasto, wo sich Mitarbeiter
bei einer Kollegin aus China angesteckt hatten. Auch wurden zwei aus
China ausgeflogene Rückkehrer positiv getestet. Der jüngste
Virennachweis stammt von der 38-jährigen Frau eines der Patienten aus
Bayern, wie das bayerische Gesundheitsministerium mitteilte. Auch
zwei Kinder des Paares hatten sich angesteckt. Bei dem dritten Kind,
einem Säugling, wurde das Virus bisher nicht nachgewiesen.

Außerhalb von Festland-China sind in mehr als zwei Dutzend Ländern
mehr als 270 Infektionen und zwei Todesfälle bestätigt. An Bord eines
unter Quarantäne gestellten Kreuzfahrtschiffes in Japan wurden
weitere 41 Infektionen festgestellt, wie das japanische
Gesundheitsministerium bekanntgab. Damit erhöht sich die Zahl auf dem
Schiff auf 61. Die Betroffenen werden in Krankenhäuser gebracht. Die
übrigen der insgesamt 2666 Passagiere, etwa die Hälfte davon Japaner,
sowie 1045 Crew-Mitglieder sollen bis 19. Februar an Bord bleiben.

Nach neuen Erkenntnissen der Deutschen Botschaft sind weitere zwei
deutsche Staatsangehörige auf der «Diamond Princess» - also insgesamt

zehn. Bisher ist keine Infektion unter den Deutschen bekannt. Von den
neu Infizierten sind 21 Japaner. Rund 120 Passagiere und
Crewmitglieder hätten Symptome wie Husten und Fieber gezeigt,
berichtete das Gesundheitsministerium. Weitere 153 hatten engen
Kontakt mit ihnen gehabt. Von ihnen allen wurden Proben genommen.

Auch in Hongkong liegt ein Kreuzfahrtschiff mit mehr als 1800
Passagieren und 1800 Crewmitgliedern fest. Bei drei Menschen, die im
Januar mit der «World Dream» gereist waren, war das Virus
festgestellt worden. Da das Schiff seither noch dreimal in Hongkong
angelegt hatte, wurden weitere 5000 Passagiere aufgefordert, Kontakt
mit den Behörden aufzunehmen, wenn sie sich nicht wohl fühlen.

Aus Angst vor dem Virus wurde auch die Art Basel Hong Kong, eine der
renommiertesten Kunstmessen Asiens, abgesagt. Der Veranstalter MCH
Group begründete die Entscheidung mit verschiedenen Faktoren, die
«alle eine Folge der Verbreitung des Coronavirus» seien. Darunter
seien die Sorge um die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten
und der Besucher sowie die «großen logistischen Herausforderungen»
beim Transport der Kunstwerke und beim Aufbau. Die Messe sollte vom
19. bis 21. März in der Hafenmetropole stattfinden.

In China gab es ein prominentes Opfer: Der Augenarzt Li Wenliang, der
schon am 30. Dezember vor dem Virus gewarnt hatte, starb am
Donnerstagabend. Alle Bemühungen, ihn zu retten, seien vergeblich
gewesen, berichtete das Zentrale Hospital von Wuhan. «Wir bedauern es
zutiefst und trauern.» Li Wenliang und sieben weitere Teilnehmer
einer Online-Diskussionsgruppe von Medizinern waren nach ihrer
Warnung von der Polizei vorgeladen und verwarnt worden. Auch mussten
sie unterschreiben, dass sie nichts mehr über den Ausbruch enthüllen.
Später infizierte sich der Arzt selbst bei einer Patientin.

Die Bundesregierung will weitere Deutsche und ihre Angehörigen aus
der schwer betroffenen Metropole Wuhan zurückholen. Entsprechende
Informationen des «Spiegel» bestätigte das Auswärtige Amt der
Deutschen Presse-Agentur. Laut «Spiegel» befinden sich in der Region
noch rund 20 Deutsche. Möglicherweise sollen sie in einer Maschine
mitreisen, die am Wochenende eine Gruppe von Briten ausfliegen soll.
Für die 14-tägige Quarantäne sollen sie laut «Spiegel» in einer
Klinik in Berlin-Köpenick untergebracht werden.

Die meisten Deutschen fürchten sich nicht vor dem neuen Coronavirus.
Bei neun von zehn Deutschen (89 Prozent) ist die Sorge, dass sie oder
Familienmitglieder sich anstecken, weniger groß oder klein, wie eine
Umfrage von infratest dimap für den ARD-Deutschlandtrend ergab. Nur
bei jedem Zehnten ist diese Sorge groß (7 Prozent) oder sehr groß (3
Prozent). Vier von fünf Deutschen (82 Prozent) sind der Meinung, dass
die Behörden und Gesundheitseinrichtungen in Deutschland die
Situation alles in allem unter Kontrolle hätten.