Elfter Corona-Fall in Bayern - Frau von Webasto-Mitarbeiter infiziert

06.02.2020 16:54

Die Zahl der Coronavirus-Fälle in Bayern steigt: Auch die Frau eines
Webasto-Mitarbeiters hat sich angesteckt. Die ganze Familie ist in
Quarantäne. Wie schätzen Experten die Entwicklung ein?

München (dpa/lby) - In Bayern gibt es einen elften Coronavirus-Fall.
Auch die 38 Jahre alte Frau eines Erkrankten aus dem Landkreis
Traunstein sei positiv auf das Virus getestet worden, teilte das
bayerische Gesundheitsministerium am Donnerstag mit. Ihr Mann ist wie
die sonstigen in Bayern infizierten Erwachsenen Mitarbeiter des
Autozulieferers Webasto in Stockdorf im Landkreis Starnberg.

Die ganze Familie ist seit Donnerstag im Trostberger Klinikum in
Quarantäne. Zwei Kinder des Paares wurden ebenfalls positiv getestet.
Sie hatten nach Angaben des medizinischen Direktors der Kliniken der
Südostbayern AG, Stefan Paech, nur leichte Symptome. Auch der
gesundheitliche Zustand des Vaters sei stabil. Er werde mit
antiviralen Medikamenten behandelt. Bei dem dritten Kind des Paares,
einem Säugling, sei das Virus bisher nicht nachgewiesen worden.

Die Familie, die dem Vernehmen nach auch auf eigenen Wunsch
zusammenbleiben wollte, war auf behördliche Entscheidung hin in
Quarantäne genommen worden. «Wir sind von vorneherein davon
ausgegangen, dass die Familie insgesamt schon infiziert war», sagte
Paech. Das bestätigten nun die Befunde, die nacheinander eingingen.
Dass die Mutter erst jetzt positiv getestet worden sei, liege daran,
dass die Reaktionszeit unterschiedlich sei.

Man habe bewusst entschieden, auch den Säugling bei der Familie zu
lassen, zumal die Verläufe gerade in diesem Alter sehr milde seien,
sagte Paech. Es habe eine Abwägung gegeben: «Kindstrennung versus dem
möglichen Risiko eines milden klinischen Verlaufes. Da haben wir uns
in Abstimmung mit den Kinderärzten so entschieden, und es hat sich
bestätigt, dass das die richtige Vorgehensweise war.» Der Familie
gehe es den Umständen entsprechend gut, wenngleich auch die Situation
der Quarantäne belastend sei.

Die sieben anderen Patienten in Bayern werden in der München Klinik
Schwabing behandelt. Die meisten hätten lediglich leichte
grippeähnliche Symptome gezeigt, inzwischen seien fast alle
weitestgehend symptomfrei, sagte Chefarzt Clemens Wendtner von der
Klinik für Infektiologie. «Auch der Patient mit Fieber, bei dem eine
Entzündung der Atemwege diagnostiziert wurde, ist in keinem
gesundheitlich kritischen Zustand.»

Bisher stehen alle Coronafälle in Bayern im Zusammenhang mit Webasto.
Dort hatte sich ein Mitarbeiter bei einer chinesischen Kollegin
angesteckt, die kurz darauf wieder in ihre Heimat flog. Auch der
deutsche Corona-Patient auf der spanischen Insel La Gomera hatte
Kontakt mit einem Webasto-Mitarbeiter, wie das Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) mitteilte. Die
«Süddeutsche Zeitung» hatte zuerst darüber berichtet. Der 26-Jähr
ige
aus dem Landkreis Landsberg am Lech sei auf Gomera isoliert, hieß es.

Zudem ist eine Frau aus Bayern infiziert, die aus der besonders von
dem Virus betroffenen Region Wuhan nach Frankfurt ausgeflogen worden
war. Die 45-Jährige wurde wie ein anderer Rückkehrer positiv auf das
Virus getestet. Sie stammt aus dem Landkreis Freising, wie das
dortige Landratsamt mitteilte. Die Patientin befinde sich in
Quarantäne auf der Infektionsstation des Universitätsklinikums
Frankfurt am Main und sei in einem klinisch guten Zustand.

Ansteckungsgefahr und Sterblichkeit sind beim Coronavirus Experten
zufolge etwa so hoch wie bei der Influenza. «Corona ist auf keinen
Fall gefährlicher als Influenza», sagte Wendtner. Zwar werde die
Sterblichkeit in China mit zwei bis drei Prozent angegeben. Aber:
«Das halten wir für überschätzt. Wir gehen davon aus, dass die
Sterblichkeit deutlich unter einem Prozent liegt, eher sogar im
Promillebereich.» Das sei eine ähnliche Größe wie bei der Influenza
.
Die Überbewertung bei Corona rühre daher, dass in China wegen der
Kapazitätsengpässe nur schwere Fälle in Kliniken aufgenommen würden
.
Auch Paech warnte vor Hysterie und schloss sich Wendtners
Einschätzung an.