«Astro-Luca» nach Monaten im All zur Erde zurückgekehrt

06.02.2020 11:29

Luca Parmitano arbeitete mit seinem Team mehr als ein halbes Jahr im
All auf der Internationalen Raumstation. Die Heimkehrer müssen sich
nun langsam wieder an die Schwerkraft gewöhnen - und strenge
Vorschriften befolgen.

Houston/Moskau (dpa) - Nach einem monatelangem Forschungsaufenthalt
im All ist der italienische Astronaut Luca Parmitano wieder sicher
auf die Erde zurückgekehrt. Die Sojus-Kapsel mit dem Esa-Astronauten,
der US-Amerikanerin Christina Koch und dem Russen Alexander Skworzow
setzte am Donnerstagvormittag (MEZ) pünktlich in der kasachischen
Steppe auf, wie in einer Live-Übertragung der US-Raumfahrtbehörde
Nasa zu sehen war. «Nirgends ist es so schön wie zu Hause», twitterte

die Behörde nach der Landung. Der Flug von der Internationalen
Raumstation ISS in einer Höhe von rund 400 Kilometer zurück zur Erde
dauerte rund zwei Stunden.

Die Astronauten erwartete in der Steppe nahe der Stadt Scheskasgan im
zentralasiatischen Kasachstan Winterwetter mit Minustemperaturen. Die
Rückkehrer wurden nach der Bergung aus der Kapsel von Spezialteams
eine Weile versorgt. Unter anderem bekamen die Raumfahrer frische
Äpfel zum Essen. Nach mehreren Monaten in der Schwerelosigkeit
brauchten sie zunächst Hilfe, da sich die Körper wieder an die
Erdanziehung gewöhnen müssen. Deshalb wurden die Raumfahrer auf
Spezialsesseln weggetragen.

Nach der Ankunft der Astronauten gelten strikte
Sicherheitsvorkehrungen, auch um ihre Gesundheit nicht zu gefährden.
Es dürfe zum Beispiel keinen unmittelbaren Körperkontakt mit den
Astronauten geben, teilte die europäische Raumfahrtbehörde Esa der
Deutschen Presse-Agentur mit. Umarmungen seien deshalb nicht
vorgesehen. Auch bei den Teams, die mit den Raumfahrern direkt
zusammenarbeiteten, gebe es Hygienevorschriften. Bei externen Gästen
werde vor dem Kontakt etwa die Körpertemperatur kontrolliert.

Der 43 Jahre alte Parmitano wird in seiner Heimat Italien als
«Astro-Luca» wie ein Volksheld gefeiert. Bei seinem zweiten
Weltraumeinsatz war er rund 200 Tage im All. Dabei hatte er auch als
Kommandant die Verantwortung für die Crew. Die übergab er vor seiner
Rückkehr an seinen russischen Kollegen Oleg Skripotschka. Parmitano
war bereits 2013 auf der Raumstation. Damals wäre er bei einem
Außeneinsatz fast in seinem Raumanzug ertrunken, weil sich Wasser in
seinem Helm gesammelt hatte.

Die US-Astronautin Koch feierte mit rund 330 Tagen auf der ISS einen
neuen Rekord: Keine Frau war bei einem einzelnen ISS-Einsatz länger
im All. Die Elektroingenieurin hatte bei ihrem Aufenthalt bereits
zuvor Raumfahrt-Geschichte geschrieben, gemeinsam mit einer Kollegin.
Im Oktober waren zum ersten Mal zwei Frauen für einen Außeneinsatz
aus der ISS ausgestiegen. Insgesamt absolvierte Koch bei ihrem knapp
einjährigen ISS-Aufenthalt sechs Außeneinsätze. Die Nasa twitterte:
«Gratulation für diesen Rekordflug».

Auf der ISS halten weiterhin drei Raumfahrer die Stellung: zwei
Amerikaner und ein Russe. Anfang April sollen drei Kollegen zur
Verstärkung zur ISS reisen.