Krankenkasse: Jedes fünfte Schulkind ist psychisch auffällig

03.02.2020 15:52

Vielleicht stehen sie traurig vor der Tafel oder verbringen die Pause
niedergeschlagen auf dem Schulhof. Ab und an können das Zeichen einer
Depression sein. Diese Diagnose und auch andere psychische Störungen
werden bei Schulkindern immer häufiger behandelt.

Stuttgart (dpa/lsw) - Kinder und Jugendliche im Südwesten sind nach
einer Studie der Krankenkasse DAK häufiger als bislang von
Depressionen betroffen, auch Ängste werden in Tausenden Fällen
diagnostiziert. Insgesamt ist mehr als jedes fünfte Schulkind in
Baden-Württemberg psychisch auffällig und leidet an Depressionen oder
anderen Krankheiten, wie aus dem Kinder- und Jugendreport der
DAK-Gesundheit hervorgeht, der am Montag in Stuttgart vorgestellt
wurde.

Demnach sind 22 Prozent aller Jungen und Mädchen im Alter von 10 bis
17 Jahren von einer psychischen Erkrankung oder Verhaltensstörung
betroffen. Vor allem jüngere Schulkinder fallen durch
Entwicklungsstörungen auf, dazu gehören auch Sprach- und
Sprechstörungen. Auch die Aufmerksamkeitsstörung ADHS sei verbreitet.

Bei Depressionen gehe es zwar um die noch geringe Zahl von 1,9
Prozent aller bei der DAK versicherten Jungen und Mädchen im Alter
zwischen 10 und 17 Jahren. Allerdings sei die Häufigkeit der Diagnose
im Jahr 2017 im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent gestiegen.
«Mädchen leiden deutlich häufiger als Jungen», heißt es darin wei
ter.

Mit einer diagnostizierten Angststörung kämpften 2,2 Prozent aller
Schulkinder. Nicht selten müssten Jungen und Mädchen wegen beiden
Diagnosen zugleich behandelt werden: «Jeder sechste Junge in
Baden-Württemberg mit einer diagnostizierten Depression hat parallel
auch eine Angststörung», teilte die DAK mit. «Bei den Mädchen ist
es
fast jedes vierte.» Hochgerechnet seien etwa 32 000 Schulkinder im
Südwesten depressiv oder zeigten Angststörungen.

Allerdings gehen Experten auch von einer hohen Dunkelziffer aus. Denn
bei Kindern und Jugendlichen wird eine solche Störung erst spät
diagnostiziert. «Kinder mit Depressionen ziehen sich zurück, wenn sie
seelisch leiden», erklärt Siegfried Euerle, der Landeschef der
DAK-Gesundheit in Baden-Württemberg. So bleibt ihre Depression
zunächst unentdeckt und sie bekommen spät eine Therapie.» Die
Deutsche Depressionshilfe rechnet nach eigenen Angaben mit einer
Dunkelziffer von etwa sieben Prozent. «Wir gehen von zwei Kindern pro
Schulklasse aus», heißt es bei der Leipziger Stiftung.

Der Report der Kasse basiert auf Abrechnungsdaten aus den Jahren 2016
und 2017. Nach Angaben des Landesozialministeriums gibt es in
Baden-Württemberg 24 Kinder- und Jugendpsychiatrien, zu denen auch
die Unikliniken, Tageskliniken und die Zentren für Psychiatrie
gehören. Zur Verfügung stehen 670 Betten vollstationär und 390 Betten

teilstationär.