Ermittlungen im Hepatitisskandal noch nicht abgeschlossen

21.10.2019 06:30

Der Hepatitisskandal in einer Klinik in Nordschwaben ist längst noch
nicht komplett aufgearbeitet. Ein Narkosearzt soll mehr als 40
Patienten mit Hepatitis C angesteckt haben. Vieles ist noch unklar.

Donauwörth (dpa/lby) - Rund ein Jahr nach dem Bekanntwerden des
Hepatitisskandals in Schwaben sind die Ermittlungen weiterhin nicht
abgeschlossen. Ein Narkosearzt der Donau-Ries-Klinik in Donauwörth
soll bei Operationen Dutzende Patienten mit Hepatitis C angesteckt
haben.

Nachdem der Skandal im Oktober 2018 öffentlich wurde, hat das
Gesundheitsamt etwa 60 infizierte Patienten ermitteln können. Bei den
meisten davon ist nach Ansicht von Gesundheitsamtschef Rainer Mainka
eindeutig, dass diese von dem Anästhesisten infiziert wurden. Der
Mediziner arbeitet nicht mehr in dem nordschwäbischen Krankenhaus.

Die strafrechtliche Untersuchung des Falls liegt bei der Augsburger
Staatsanwaltschaft. Die polizeilichen Ermittlungen seien weit
fortgeschritten, aber noch nicht ganz abgeschlossen, erklärte
Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai. Die Kripo habe mehr als 70
Zeugen, darunter alle Geschädigten, vernommen. Wie die
Staatsanwaltschaft die Vorwürfe abschließend bewerten wird, ist noch
nicht absehbar.

Die Verteidiger des Narkosearztes haben angekündigt, dass sie sich
vor Abschluss der Ermittlungen nicht äußern wollen. Der Arzt litt
nach Behördenangaben selbst an Hepatitis C und war
medikamentenabhängig. Wie er seine Patienten möglicherweise infiziert
hat, ist noch unbekannt.

Das Gesundheitsamt hat insgesamt 1714 Patienten des beschuldigten
Mediziners angeschrieben und zu einem Test aufgefordert. Von mehr als
97 Prozent der Betroffenen liegen Ergebnisse vor, einige Patienten
leben im Ausland und sind für die Behörden nicht greifbar.

Bei 44 Patienten gibt es laut Mainka eine komplette Übereinstimmung
mit der Hepatitiserkrankung des Mediziners, auch der sogenannte
Genotyp und ebenso der Subtyp seien gleich. Dies deute eindeutig auf
den Narkosearzt als Quelle hin. «Es gibt keine andere Erklärung»,
sagte der Amtsarzt. Bei sechs Patienten habe der Subtyp nicht
festgestellt werden können, bei sieben seien nach einer
Hepatitis-Erkrankung nur noch Antikörper gefunden worden. Fünf
zusätzliche Fälle stuft das Amt als fraglich ein.

Hepatitis C heilt in vielen Fällen zwar von selbst aus, kann bei
Kranken im schlimmsten Fall nach einigen Jahrzehnten allerdings auch
schwere Spätfolgen wie Zirrhose oder Leberkrebs verursachen. Dies
kann nach Angaben der Deutschen Leberhilfe der Fall sein, wenn eine
akute Infektion chronisch wird und nicht behandelt wird.





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