Zahnspangen schaffen ein schönes Lächeln - und was noch?

24.09.2019 06:00

In Deutschland lassen sehr viele Eltern die Zähne ihrer Kinder
richten - häufig selbst dann, wenn die Kasse die Kosten nicht
übernimmt. Dabei geht es vor allem ums Aussehen. Wenig Erkenntnisse
gibt es über den langfristigen medizinischen Nutzen der Korrekturen.

Berlin (dpa) - Rund 1,15 Milliarden Euro haben allein die
gesetzlichen Krankenkassen 2018 für kieferorthopädische Behandlungen
ausgegeben. Hinzu kommen Tausende Eltern, die das Richten der
schiefen Zähne ihrer Kinder aus eigener Tasche bezahlen. Zum Beispiel
bei einem leichten Überbiss oder einer Lücke zwischen den oberen
Schneidezähnen zahlt die Krankenkasse nicht. Der Bundesrechnungshof
kritisiert, dass wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse über den
medizinischen Nutzen von Zahnspangen fehlen. Eine Bestandsaufnahme zu
Brackets und anderen Möglichkeiten anlässlich des Tags der
Zahngesundheit am 25. September:

Wann ist eine Zahnspange bei Kindern medizinisch notwendig?

Diese Frage ist schwierig zu beantworten, weil Untersuchungen fehlen,
wie sich die Korrekturen langfristig auf die Gesundheit auswirken.
Das geht aus dem Gutachten des IGES-Instituts hervor, das das
Bundesgesundheitsministeriums nach Kritik des Rechnungshofes 2018 in
Auftrag gegeben hatte. Dass Zahnkorrekturen Probleme wie Karies,
Parodontitis oder Zahnverlust verringern, könne nicht belegt, aber
auch nicht ausgeschlossen werden, heißt es darin. Die Krankenkassen
richten sich nach den Kieferorthopädischen Indikationsgruppen (KIG).
Dabei sind Gruppen 1 und 2 eher kosmetische Fehlstellungen, 3 bis 5
medizinisch behandlungsbedürftig. Die Kosten werden nur bei Kindern
und Jugendlichen mit der Diagnose Gruppe 3 bis 5 übernommen, wenn die
Patienten zwischen 10 und 18 Jahre alt sind.

Warum tragen so viele Kinder eine feste oder lose Klammer?

Nach Schätzungen befinden sich mehr als die Hälfte der Kinder und
Jugendlichen in Deutschland in kieferorthopädischer Behandlung.
Genaue Zahlen gibt es dazu nicht, die Datenlage ist undurchsichtig.
Nach einer Befragung der hkk Krankenkasse von Kindern und
Jugendlichen sowie deren Eltern geben oft ästhetisch-optische Gründe
den Ausschlag für die Behandlung. Sie wollten «einfach besser
aussehen» oder «wegen ihres schrecklichen Gebisses» nicht mehr
gehänselt werden, lauteten Begründungen. Knapp die Hälfte gab an,
dass sie vor der Behandlung keine Beschwerden mit ihrem Gebiss
hatten.

Werden die Behandlungen immer teurer?

Nach Schätzung des Verbands der Ersatzkassen werden für eine
kieferorthopädische Behandlung im Durchschnitt rund 3700 bis 4000
Euro von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Die Eltern müssen
einen Eigenanteil von 20 Prozent aufbringen, den sie allerdings am
Ende der Behandlung erstattet bekommen. Laut dem IGES-Gutachten
stiegen die Behandlungskosten, obwohl die Zielgruppe der 10- bis
18-Jährigen kleiner wird. Der Berufsverband der Deutschen
Kieferorthopäden (BDK) weist den Vorwurf hoher Ausgaben zurück. Die
Kosten seien zwischen 2005 und 2016 um 25 Prozent gestiegen, dies
entspreche anderen zahnärztlichen Leistungen.

Warum zahlen dann Eltern häufig trotzdem hohe Beträge dazu?

Nach Angaben der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung wünschen die
Patienten immer häufiger Extra-Leistungen, die sie selbst bezahlen
müssen. Die Klebeplättchen (Brackets) bei festen Klammern gibt es
längst nicht mehr nur aus Metall, sondern auch aus Keramik oder
Kunststoff, in Miniaturform oder fast unsichtbar in Zahnfarbe. Auch
die herausnehmbaren Spangen gibt es in verschiedenen
Design-Varianten, etwa mit regenbogenfarbener, glitzernder
Gaumenplatte.

Welchen Erfolg haben Zahnspangen?

Die Iges-Studie, die internationale Studien auswertet hat, sieht
Erfolge: Tatsächlich würden falsch stehende Zähne korrigiert - dies
wirke sich auch positiv auf das Lebensgefühl aus. Die hkk-Befragung
von rund 430 Jugendlichen ergab ebenfalls, dass 86 Prozent mit der
Behandlung insgesamt sehr zufrieden oder zufrieden waren. Nach
Angaben des Berufsverbandes der Deutschen Kieferorthopäden (BDK)
belegen einzelne Studien auch den medizinischen Nutzen, etwa was
Karies und Parodontitis angeht. Die Korrektur einer großen Stufe
zwischen den oberen und unteren Schneidezähnen beuge dem Aufschlagen
der Zähne bei Stürzen vor, sagte BDK-Chef Hans-Jürgen Köning.

Gibt es Risiken und Nebenwirkungen bei der kieferorthopädischen
Behandlung?

In ganz seltenen Fällen trete eine Nickelallergie auf, sagt Köning.
Probleme können entstehen, wenn die jungen Patienten nicht mitwirken.
Das Zähneputzen bei einer festen Klammer ist weit aufwendiger und
dauert länger. Dabei sollten spezielle kleine Bürsten zur Hilfe
genommen werden. Wer dies vernachlässigt, dem drohen
Zahnfleischentzündungen und Karies. Auch können weiße Stellen auf den

Zähnen bleiben, wenn die Brackets wieder abgenommen werden. Es sei
auch Aufgabe des Kieferorthopäden, bei den regelmäßigen Terminen die

Jugendlichen zur Zahnpflege zu motivieren, betont der Verbandschef.
Auch kann sich die Behandlung länger als die vorgesehenen etwa 1,5
Jahre hinziehen, wenn Patienten zum Beispiel die Gummis der festen
Spange nicht 24 Stunden tragen.