Studie: Mit steigendem Vermögen sinkt die Zeit für Pflege zuhause

17.09.2019 09:05

Mehr Frauen pflegen Angehörige zuhause als Männer - und Ältere
leisten mehr Pflegearbeit als Junge. Unterschiede beim Vermögen
wirken sich vor allem darauf aus, wie lange gepflegt wird.

Berlin (dpa) - Pflegende Angehörige mit weniger Geld haben einer
Studie zufolge zuletzt etwas mehr Zeit für die Pflege zuhause
aufgewendet als reichere. Ablesbar ist das am Einkommen, vor allem
aber am Vermögen der Menschen, die zuhause Pflege leisten, wie aus
einer neuen Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft hervorgeht,
die der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegt. Pflegebedürftige
werden zudem besonders oft von Frauen und Älteren gepflegt.

Die zugrundeliegende Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP)
stammen allerdings bereits aus dem Jahr 2012. Neue Vermögensdaten
lägen noch nicht vor. Er gehe jedoch davon aus, dass die Tendenzen
nach wie gültig seien, so Studienautor Maximilian Stockhausen.

Der Erhebung zufolge wandten pflegende Angehörige mit einem
Nettovermögen bis rund 3400 Euro im Wochendurchschnitt 3,8 Stunden
dafür auf. In der Gruppe mit den höchsten Vermögen, nämlich ab
216 100 Euro, waren es nur 2,2 Stunden. In den zwei gleich großen
Gruppen mit den dazwischenliegenden Vermögen waren es 2,3 und 2,5
Stunden. Vermögende, so die Studienautoren, griffen wohl stärker auf
Rücklagen zurück und organisierten sich Hilfe.

Zudem leisteten pflegende Angehörige der Studie zufolge in Haushalten
mit geringen Nettohaushaltseinkommen bis 21 400 Euro pro Jahr im
Schnitt rund 3 Stunden pro Woche zuhause Pflegedienst - in der
obersten Einkommensgruppe ab 48 100 Euro waren es nur 2,2 Stunden.
Bei den Gruppen mit mittleren Einkommen lagen die Stundenwerte
dazwischen. Wer wenig verdient, so die Studienautoren, könne sich
professionelle Hilfe weniger leisten. Oder aber die Angehörigen
reduzierten für die Pflege ihre Arbeitszeit und verdienten
entsprechend weniger.

Dass es sich insgesamt um durchschnittlich recht wenige Pflegestunden
handelt, liege daran, dass auch viele leichtere Fälle in die
Statistik eingegangen seien, so Stockhausen.

Frauen machten der Erhebung zufolge mit 61,4 Prozent den
überwiegenden Teil der Pflegenden aus. Rund 51 Prozent der Pflegenden
war zwischen 30 und 60 Jahre alt. 21 Prozent der Pflegenden war
zwischen 60 und 70, 23 Prozent sogar über 70 Jahre alt. Die kleinste
Gruppe stellten die unter 30-Jährigen mit rund 5,9 Prozent dar.