Deutscher Umweltpreis an Bodenwissenschaftlerin und Unternehmer

13.09.2019 07:15

Der Deutsche Umweltpreis gilt als eine der wichtigsten Auszeichnungen
seiner Art in Europa. In diesem Jahr werden eine Forscherin und ein
Unternehmer für ihr Umweltengagement gewürdigt.

Osnabrück (dpa) - Den renommierten Deutschen Umweltpreis erhalten in
diesem Jahr eine Bodenforscherin und der Unternehmer, der die
Putzmittelmarke Frosch vertreibt. Die mit 500 000 Euro dotierte
Auszeichnung teilen sich die Bodenwissenschaftlerin Ingrid
Kögel-Knabner von der Technischen Universität München und der
Unternehmer Reinhard Schneider, Chef der Firma Werner & Mertz aus
Mainz, wie die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) am Freitag in
Osnabrück berichtete.

Kögel-Knabner habe bahnbrechende Forschung zur Speicherfähigkeit von
Kohlenstoff in Böden geleistet. Schneider lebe Nachhaltigkeit in
allen unternehmerischen Entscheidungen. Der Preis wird am 27. Oktober
in Mannheim von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreicht.

DBU-Chef Alexander Bonde würdigte Schneider (51) für dessen
«unternehmerischen Rundum-Nachhaltigkeitsstrategie». Zu seinen
Verdiensten gehöre das konsequente Wiederverwenden von Altplastik für
neue Verpackungen, umwelt- und gesundheitsfreundlich bedruckte
Etiketten und die Verwendung von heimischen Pflanzenölen für seine
Wasch- und Reinigungsmittel, womit er auf problematisches Palmöl aus
tropischen Regionen verzichte.

Schneider, der seit 2000 das Familienunternehmen in fünfter
Generation leite, habe Nachhaltigkeitsmanagement zur Chefsache
gemacht, sagte Bonde. Er habe sich zudem dafür eingesetzt, dass «in
einer kompletten Wirtschaftsbranche Umweltinnovationen auf immer
höherem Standard etabliert werden konnten».

Trotz höherer Produktionskosten habe Schneider 2012 eine
Rezyklat-Initiative mit Partnern aus Industrie, Handel und
Nichtregierungsorganisationen ins Leben gerufen. Damit soll der
Anteil von Recyclingprodukten schnell erhöht und am Massenmarkt
etabliert werden, sagte Bonde. Schneider sei «ein Mittelständler mit
Haltung, der mit seiner erkennbaren und durchgängigen Einstellung für
das Thema Umweltschonung steht». Der gelebte Nachhaltigkeitsgedanke
sei national wie international sichtbar, so Bonde. Er manifestiere
sich auch in der 2010 eröffneten Hauptverwaltung in Mainz mit
Sonnenkollektoren, Windrädern und Geothermie.

Die aus einem fränkischen Bauernhof stammende 60-jährige Forscherin
Kögel-Knabner habe die zentrale Rolle des Bodens in den Fokus zu
gerückt, sagte Bonde. Sie habe bedeutende Erkenntnisse darüber
gewonnen, wie Kohlenstoff im Boden gebunden werde. Dass die deutsche
Bodenkunde heute führend in der Forschung sei, sei ein Verdienst von
Kögel-Knabner.

Böden seien über die Aufnahme des klimaschädigenden Kohlendioxids aus

der Luft durch Pflanzen zwar einerseits einer der weltgrößten
Speicher für Kohlenstoff, aber beim Zersetzungsprozess der Pflanzen
gäben sie andererseits auch Treibhausgase frei. Daher sei ihre
Funktion wichtig auch für den Verlauf des Klimawandels. «Aus ihrer
Forschungsarbeit ergab sich ein völlig neues Verständnis für die
Kapazität von Böden, Kohlenstoff aufzunehmen und zu speichern», sagte

Bonde. «Vor allem aber lieferte Kögel-Knabner Antworten auf die
Frage, auf welchen Böden eine Kohlenstoffspeicherung nachhaltig
möglich ist, um dem Klimawandel entgegenzuwirken.»

Die Arbeit Kögel-Knabners ermögliche es, Umweltveränderungen im Boden

zu überwachen, frühzeitig zu erkennen und Vorsorgemaßnahmen zu
ergreifen. Ein Verlust von Böden bedeute einen Verlust von Lebensraum
und von landwirtschaftlich genutzten Flächen. Mit dem Klimawandel
verstärke sich in Zukunft auch das Problem der Bodenerosionen.
Kögel-Knabner sagte, in Klimamodellen sei der Boden noch weitgehend
unterrepräsentiert. Sie untersucht derzeit welche Bewirtschaftung
geeignet ist, um Pflanzenreste tief in den Boden einzubringen.