Entschädigung für den im Organspendeskandal freigesprochenen Arzt?

13.09.2019 05:30

Kurz vor der Abreise nach Jordanien wurde er in Deutschland
festgenommen und im Göttinger Transplantationsskandal angeklagt. Nach
dem Freispruch forderte der Chirurg Schadenersatz in Millionenhöhe.
Muss das Land Niedersachsen für den verpassten Klinikjob zahlen?

Braunschweig (dpa) - Die Untersuchungshaft in Deutschland hat ihn
einen Auslandsjob mit 50 000 Dollar Gehalt pro Monat gekostet: Das
sagt der im Göttinger Transplantationsskandal freigesprochene Chirurg
- und verlangt Schadenersatz in Millionenhöhe. In dem Zivilverfahren
dazu will das Landgericht Braunschweig am Freitag (10.00 Uhr) eine
Entscheidung verkünden.

Der Mediziner fordert gut 1,2 Millionen Euro vom Land Niedersachsen
unter anderem als Ausgleich für seinen Verdienstausfall. Der
51-Jährige begründet die Summe auch damit, dass er wegen der knapp
einjährigen U-Haft die gut dotierte Stelle in Jordanien nicht habe
antreten können. Ein Vertreter des Landes ließ durchblicken, starke
Zweifel daran zu haben, dass der Chirurg in Jordanien ein derart
hohes Gehalt bekommen hätte.

In einem bundesweit aufsehenerregenden Prozess hatte das Landgericht
Göttingen den Arzt 2015 vom Vorwurf des elffachen versuchten
Totschlags und der dreifachen Körperverletzung mit Todesfolge
freigesprochen. Die Richter bescheinigten dem Mediziner damals zwar,
er habe medizinische Daten manipuliert, um schneller Spenderorgane
für seine Patienten zu bekommen. Aber das Gericht entschied auch: Das
Verhalten des Chirurgen war auf Basis der damaligen Rechtslage nicht
strafbar. Der Bundesgerichtshof schloss sich dieser Auffassung an.

Auf die Frage des Richters, warum es keinen schriftlichen Vertrag mit
der Klinik in Jordanien gibt, verwies der Kläger auf eine mündliche
Vereinbarung, die per Handschlag getroffen worden sei. Der ärztliche
Leiter der Klinik in Jordanien bestätigte diese Absprache als Zeuge.

Der mögliche Verdienstausfall ist der mit Abstand größte Posten unter

den Forderungen des Arztes. Nach eigenen Angaben arbeitet der
Mediziner mittlerweile für das Krankenhaus in der jordanischen
Hauptstadt Amman. Was er dabei seit 2017 verdient, wollte er vor
Gericht aber nicht sagen.