Essen in der Kita - Worauf Eltern und Kitas achten sollten

11.09.2019 17:18

Die Ernährung in Kitas und Schulen soll gesund sein - viel Gemüse und
Obst. Aber wie gefährlich sind mitgebrachte Speisen? Ein Verbot in
Schwaben wirft Fragen auf.

Bissingen/Berlin (dpa/lby) - In einem schwäbischen Kindergarten
dürfen Kinder keinen selbst gebackenen Geburtstagskuchen mitbringen -
aus Angst vor Hygienemängeln. Die Leiterin der Kita in Bissingen
(Kreis Dillingen) hatte die Eltern per Brief darüber informiert, dass
sie ihren Kindern keine Speisen mehr mitgeben sollten. Eine
Bürgerbewegung will Unterschriften gegen das Verbot sammeln. Der
Kita-Leiterin zufolge sollte am Mittwochnachmittag ein klärendes
Elterngespräch stattfinden. In Kitas fehle oft hauswirtschaftliches
Wissen, was zur Übervorsicht führe, sagt die Leiterin des Nationalen
Qualitätszentrums für Ernährung in Kita und Schule (NQZ) in Berlin,
Anke Oepping. «Da wird der Zaun oft sehr eng gezogen.»

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit
(LGL) mit Sitz in Erlangen rät, sich bei Lebensmitteln an sieben
Regeln zu halten, darunter vor allem gute Kühlung. Speziell für
Mitbringsel in den Kindergarten können sich Eltern an Empfehlungen
für Vereinsfeste orientieren. Das Bundeszentrum für Ernährung (BZE)
empfiehlt zum Beispiel, kein Sushi oder andere Speisen mit rohem
Fisch, rohem Fleisch oder rohen Eiern (etwa Tiramisu) mitzubringen.
Durchgebackene Kuchen seien hingegen durchaus geeignet. Allergene wie
Gluten müssen Eltern übrigens nicht angeben. Nur professionelle
Lebensmittelhersteller müssen die Waren laut LGL kennzeichnen.

Anke Oepping vom NQZ glaubt, dass Erzieher und Kita-Leitungen mit dem
Risikomanagement bei der Ernährung oft alleine gelassen werden. «In
der Ausbildung der Erzieher, Kinderpfleger und Kita-Leiter finden
Ernährungsthemen zu selten statt», sagt sie. Bei Fragen könnten sich

Kita-Mitarbeiter aber an die Vernetzungsstellen Kita- und
Schulverpflegung wenden, von denen es in Bayern acht gibt.

Bedenken und Ängste haben laut Oepping auch bei den Kita-Trägern
zugenommen. Oepping berichtet von einer Kita, in der Erzieher für
jedes Rezept eine Risikoanalyse erstellen müssten. Etwa um zu
dokumentieren, ob sie bei einer Tomatensuppe mit frischen Tomaten
oder Dosentomaten arbeiten. Auch bei selbstgezüchteten Kräutern
herrsche Verunsicherung. «Wenn Kinder erleben, dass sie
Selbstgepflanztes nicht verkochen dürfen, ist das pädagogisch
schwierig», meint Oepping. Vielleicht lernten sie daraus, dass
Selbstkochen risikoreicher sei als ein Essen im Schnellrestaurant.

Die Reaktionen auf das Mitbringverbot in Bissingen in den sozialen
Medien spiegeln zumeist Überraschung wider. Eine Frau kommentierte
aber bei Facebook, dass es aus einem ganz anderen Grund durchaus
sinnvoll sein könne, wenn Eltern nichts mehr zum Geburtstag kochen
und backen dürfen: Dann gerieten sie nicht mehr in Versuchung, sich
gegenseitig überbieten zu wollen.