Hessens Klinik-Landschaft ist im Wandel - Neubau in Wiesbaden im Plan

13.03.2019 04:45

Es soll ein «Krankenhaus der kurzen Wege» werden: Bald feiert die
neue HSK in Wiesbaden Richtfest. Es ist einer der größten
Klinikneubauten in Hessen. Anderenorts machten in den vergangenen
Jahren Krankenhäuser dicht.

Wiesbaden (dpa/lhe) - Einer der größten hessischen
Krankenhausneubauten, die neue HSK in Wiesbaden, feiert Ende dieser
Woche Richtfest. Die alte «Dr.-Horst-Schmidt-Klinik» war in die Jahre
gekommen, eine Sanierung hätte sich finanziell nicht gelohnt, wie
eine Sprecherin der Helios Verwaltung Hessen GmbH erklärt. Die
Fresenius-Tochter Helios betreibt in Deutschland knapp 90 Kliniken.

Der HSK-Neubau gehört in Hessen zu den fünf größten
Krankenhausneubauten, die vom Land gefördert werden, wie das
Gesundheitsministerium in Wiesbaden mitteilte. Neubauten entstehen
derzeit auch an den Kliniken Darmstadt und Frankfurt-Höchst, außerdem
werden das St. Josefs-Hospital in Wiesbaden und die Kreiskliniken
Darmstadt-Dieburg im südhessischen Groß-Umstadt teilweise neu
errichtet.

Allerdings wurden in den vergangenen Jahren laut Ministerium auch
Häuser geschlossen, darunter das St. Luisen-Krankenhaus in Lindenfels
im Odenwald, das St. Rochus-Krankenhaus im südhessischen Dieburg, die
Helios Klinik in Bad Schwalbach im Taunus und das Marienkrankenhaus
in Flörsheim am Main. In allen Fällen sei dies eine Entscheidung der
jeweiligen Träger gewesen. Zudem wurde ein Standort des St.
Marien-Krankenhauses in Frankfurt geschlossen. Grund dafür sei die
Zentralisation der Standorte am Elisabethen-Krankenhaus in Frankfurt
gewesen.

«Hessen legt Wert darauf, dass Kliniken sich aus dem teilweise noch
vorhandenen Einzelkämpfertum lösen und in Verbünden
zusammenarbeiten», heißt es aus dem Ministerium. Solche Verbünde
erhielten eine gesonderte Förderung. Welche Standorte dauerhaft
erhalten bleiben müssen, das regelt das Bundesrecht anhand von
Erreichbarkeitskriterien. Kliniken, die für die flächendeckende
Versorgung vor allem bei Notfällen wichtig sind, bekommen unter
Umständen staatliche Zuschläge zur Existenzsicherung.

Die Verteilung der Standorte ist laut Ministerium zum großen Teil
historisch gewachsen. Das Land lasse neue Krankenhäuser zu, wenn ein
Bedarf besteht. Das gleiche gelte für zusätzliche Zulassungen für
bereits bestehende Häuser, teilte das Ministerium mit. Vorrang haben
dabei Kliniken, die an der Notfallversorgung teilnehmen und
Allgemeinkrankenhäuser mit Chirurgie und Innerer Medizin.

Nach Einschätzung der hessischen Krankenhausgesellschaft sind die
Menschen im Bundesland gut mit Kliniken versorgt. Ein Problem sei
eher der Mangel an Investitionen, sagte der Geschäftsführer Rainer
Greunke und sieht das Land stärker in der Pflicht. Allein in Hessen
müssten 100 Millionen Euro mehr pro Jahr in die Kliniken gesteckt
werden. Ohne ein spezielles Förderprogramm, das jedoch zeitlich
begrenzt ist, läge diese Summe noch höher.

In der Hessische Krankenhausgesellschaft haben sich über 150
Einrichtungen zusammengeschlossen, nahezu alle Krankenhäuser im Land.
Die Schließungen in den vergangenen Jahren habe eher kleine Häuser
betroffen, sagte Greunke. Dies sei von den übrigen Kliniken gut
aufgefangen worden.

In die neue HSK in Wiesbaden fließen rund 268 Millionen Euro, am 15.
März soll Richtfest sein. Von den geplanten Investitionen trägt 200
Millionen Euro der Krankenhausbetreiber Helios, rund 68 Millionen
Euro schießt das Land Hessen zu. Der Bau aus dem Jahr 1982 genüge
architektonisch nicht mehr den Ansprüchen der modernen Medizin,
erklärt eine Sprecherin. Die Bauarbeiten liegen den Angaben zufolge
im Plan.

Das neue Gebäude, das bis zum Einzug 2021 direkt neben dem alten
entsteht, ist als «Krankenhaus der kurzen Wege konzipiert», wie die
Sprecherin erläutert. Beispielsweise sei die Diagnose im Erdgeschoss
vereint, wo auch die Mehrzahl der Ambulanzen untergebracht würden.

Auf dem Dach der Klinik wird es künftig einen Landeplatz für
Hubschrauber geben, damit wird der Rettungsweg schneller. Derzeit
müssen die Helikopter auf einem nahe gelegenen Feld landen und die
Patienten mit dem Rettungswagen die letzten Meter zur Klinik gefahren
werden. In dem neuen Gebäude liegt die Notaufnahme direkt unter der
Landeplattform, verbunden mit einem Aufzug.