Lungenärzte erwarten Verschärfung der Grenzwerte für Stickstoffdioxid

07.03.2019 00:05

Berlin (dpa) - Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und
Beatmungsmedizin (DGP) erwartet, dass die Weltgesundheitsorganisation
(WHO) in absehbarer Zeit eine Absenkung der Grenzwerte für
Stickstoffdioxid (NO2) empfehlen wird. Derzeit werde in der WHO
darüber beraten, ob der etwa in der EU geltende Grenzwert noch den
aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen entspreche, sagte
Professor Holger Schulz vom Helmholtz Zentrum München der «Welt»
(Donnerstag). Es sei davon auszugehen, dass die WHO eine Absenkung
vorschlagen werde.

Schulz zählt zu den Autoren des Positionspapier, das die DGP im
November zum Thema Luftschadstoffe vorgestellt hatte. Darin heißt es
an zentraler Stelle: «Gesundheitsschädliche Effekte von
Luftschadstoffen sind sowohl in der Allgemeinbevölkerung
als auch bei Patienten mit verschiedenen Grunderkrankungen gut
untersucht und belegt.» Und: «Eine weitere deutliche Reduktion der
Luftschadstoffbelastung ist geboten und eine Absenkung der
gesetzlichen Grenzwerte erforderlich.»

Konkret bedeutet das laut Schulz: «Bezogen auf Stickstoffdioxid ist
nach meiner Ansicht ein Grenzwert von 30 Mikrogramm pro Kubikmeter
Luft sinnvoll.» Der Stickstoffdioxid-Grenzwert liegt im Jahresmittel
bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft und basiert auf Empfehlungen
der WHO. Schulz betonte, es sei Aufgabe der Politik, nicht der
Wissenschaft, neue Obergrenzen zu formulieren. Fest stehe, dass
Luftschadstoffe gesundheitsschädlich seien: «Das ist bereits bei
Werten von 20 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft nachweisbar.»

Eine Gruppe von mehr als 100 Lungenärzten hatte im Januar eine
heftige Debatte ausgelöst, indem sie den gesundheitlichen Nutzen der
Grenzwerte für Stickstoffdioxide anzweifelte. Später räumte der Autor

der Stellungnahme, der Mediziner Dieter Köhler, Rechenfehler ein,
blieb aber bei der Grundaussage, dass die gesundheitlichen Risiken
durch Stickoxide und Feinstaub und die darauf basierenden Grenzwerte
wissenschaftlich nicht hinreichend begründet seien.