Forscher: Frauen sind bei Herzinfarkt-Symptomen oft zu zögerlich

06.03.2019 12:19

Nach einem Herzinfarkt muss es schnell gehen. Dabei werden Männer oft
schneller behandelt als Frauen. Woran liegt das?

Warschau (dpa) - Bei Verdacht auf Herzinfarkt rufen Frauen zwar zügig
den Notarzt für ihren Partner - bei eigenen Herzproblemen sind sie
aber zögerlicher. Das ist das Fazit polnischer Forscher, die zwei
Studien dazu auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für
Kardiologie (ESC) im spanischen Malaga vorstellten. Frauen würden
trotz Beschwerden oft Verpflichtungen in Haushalt und Familie
voranstellen. «Wir hören immer wieder, dass diese
Verantwortlichkeiten Frauen davon abhalten, rechtzeitig einen
Krankenwagen zu rufen», sagte Mariusz Gasior vom Polnischen Register
für Akute Koronarsyndrome (PL-ACS) laut einer ESC-Mitteilung.

Wegen eines späten Notrufs würden insbesondere bei jüngeren Frauen

Infarkte seltener im empfohlenen Zeitraum behandelt als bei Männern.
Den Kardiologen zufolge gebe es auch eine mangelnde Aufklärung über
Herzerkrankungen bei Frauen. Die Ergebnisse, die auf dem PL-ACS
basieren, wurden mit Blick auf den Weltfrauentag am Freitag
vorgestellt, der unter dem Motto «Balance for Better» dazu aufruft,
die Gleichstellung der Geschlechter weltweit zu fördern.

Die Deutsche Herzstiftung macht zudem darauf aufmerksam, dass es
gerade bei älteren Frauen nach einem Herzinfarkt im Schnitt länger
dauert, bis sie in der Notaufnahme sind. So vergingen bei über
65-jährigen Frauen bis zu viereinhalb Stunden, bei über 65-jährigen
Männern seien es rund dreieinhalb Stunden, heißt es in einer
Mitteilung von Mittwoch unter Verweis auf eine ältere Untersuchung.

Das sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass ältere Frauen oft
alleine leben und im Notfall niemanden haben, der bei einem
Herzinfarkt Hilfe holt, hieß es. Außerdem würden betroffene Frauen
wegen unspezifischer Symptome häufig nicht erkennen, dass sie einen
Herzinfarkt haben.

In die Analysen der polnischen Mediziner flossen Werte von 7582
Patienten mit einer besonders schweren Form von Herzinfarkt ein, bei
dem eine Hauptarterie, die das Herz mit Blut versorgt, blockiert ist.
Durch eine schnelle Wiederherstellung des Blutflusses kann mehr
Herzmuskel gerettet und infolgedessen das Todesrisiko gesenkt werden.

«Frauen werden unter anderem deshalb seltener innerhalb der
empfohlenen Zeit behandelt, weil sie länger brauchen, um einen
Krankenwagen zu rufen, wenn sie Symptome haben», sagte Gasior.
Forschungskoordinator Marek Gierlotka ergänzt, dass Frauen eher zu
untypischen Symptomen neigen, was dazu führen kann, dass die
medizinische Versorgung verzögert wird.

Schmerzen in der Brust und im linken Arm gelten als bekannteste
Anzeichen eines Herzinfarkts. Bei Frauen treten aber auch Rücken-,
Schulter- oder Bauchschmerzen auf. Dauerten diese mehr als 15 Minuten
an, sollte ein Krankenwagen gerufen werden, hieß es.

Allerdings trug den Studien zufolge auch das medizinische Personal zu
Verzögerungen bei. «EKG-Ergebnisse für jüngere Frauen wurden selten
er
an das Herzinfarktzentrum geschickt, was zur Beschleunigung der
Behandlung empfohlen wird», sagte Gasior.