Zukunftspreis für Virenschutz - Entwickler eines Medikaments geehrt

28.11.2018 20:09

Maschinenbau, Medizin, Energie: Drei Teams aus Ingenieuren und
Forschern waren mit ihren Innovationen für den Wissenschaftspreis des
Bundespräsidenten nominiert. Wer hat abgeräumt?

Berlin (dpa) - Für ein Medikament zum Schutz vor einem verbreiteten
Virus hat ein Team aus Nordrhein-Westfalen den Deutschen
Zukunftspreis 2018 erhalten. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier
übergab die mit 250 000 Euro dotierte Auszeichnung für Technik und
Innovation am Mittwochabend in Berlin. Die Preisträger um die
Wuppertaler Chemikerin Helga Rübsamen-Schaeff haben laut Angaben «das
weltweit erste und bislang einzige» Präparat entwickelt, das bei
Knochenmarktransplantationen vor einem bestimmten Virus schützen
soll. Es habe das Potenzial, die Behandlung weiterer Patientengruppen
«zu revolutionieren», teilte das Bundespräsidialamt mit.

Das Virus, um das es geht, dürfte Laien kaum ein Begriff sein, obwohl
es in den Industrienationen etwa jeder Zweite in sich trägt:
Zytomegalievirus heißt es und gehört zu den Herpesviren. Ein intaktes
Immunsystem hält es normalerweise in Schach. Wenn Patienten aber zum
Beispiel wegen Krankheiten oder nach Transplantationen keine oder nur
eine stark geschwächte Immunabwehr haben, kann eine Infektion damit
schwere bis tödliche Folgen haben.

Hier setzt das Medikament der von Rübsamen-Schaeff gegründeten Firma

AiCuris Anti-infective Cures an. Damit können Patienten nach
Knochenmarktransplantationen vorbeugend behandelt werden - und nicht
erst, wenn eine Infektion bereits Probleme bereitet. Zugelassen ist
die Arznei hierfür schon in mehreren Ländern, unter anderem in den
USA und Europa. Weltweit sind laut Angaben jedes Jahr 40 000 Menschen
nach Knochenmarktransplantationen durch das Virus gefährdet. In
Zukunft könne das Mittel womöglich auch bei Empfängern anderer
Spenderorgane oder etwa bei AIDS-Patienten zum Einsatz kommen, sagte
die Wissenschaftlerin in Berlin.

Der Zukunftspreis des Bundespräsidenten ist einer der bedeutendsten
Wissenschaftspreise in Deutschland, er wurde nun zum 22. Mal
vergeben. Eine Jury bewertet die Innovationsleistung, blickt aber
auch auf das Arbeitsplatz-Potenzial hierzulande. Die Gewinner setzten
sich gegen Teams aus Baden-Württemberg und Bayern durch, die für ein

neues Getriebe sowie für eine Technik zur Nutzung von Wasserstoff
nominiert waren. 2017 war die Entwicklung lernfähiger
Roboterassistenten ausgezeichnet worden.