Tierarzt infiziert sich mit West-Nil-Virus - erstmals in Deutschland

11.10.2018 15:12

Das West-Nil-Virus wurde in Deutschland bisher nur bei Vögeln
nachgewiesen. Nun steckte sich nachweislich erstmals ein Mensch
hierzulande an. Der Tierarzt aus Bayern hat sich wohl bei der
Untersuchung eines toten Bartkauz infiziert.

Poing/Erlangen (dpa) - Zum ersten Mal hat sich ein Mensch in
Deutschland nachweislich mit dem West-Nil-Virus infiziert. Der
Tierarzt aus Bayern habe sich mit hoher Wahrscheinlichkeit bei der
Obduktion eines an dem Virus verendeten Bartkauzes aus einem Wildpark
in Poing (Landkreis Ebersberg) mit dem Erreger angesteckt, teilte das
bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL)
am Donnerstag in Erlangen mit. Der Veterinär sei kurz nach dem
Eingriff am West-Nil-Fieber erkrankt, mittlerweile aber wieder
gesund. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch sei nicht bekannt. Lange
Zeit war das Virus in Deutschland nur bei Reiserückkehrern
festgestellt worden.

Bei dem toten Bartkauz war das gefährliche West-Nil-Virus Mitte
September nachgewiesen worden. Bei Vögeln wurde das Virus zum ersten
Mal in Deutschland Ende August nachgewiesen, und zwar bei einem
Bartkauz aus einem Zoo in Halle/Saale.

Der von Stechmücken übertragene Erreger war bisher nicht in
Deutschland heimisch. In den vergangenen Jahren gab es hierzulande
wenige Fälle von Erkrankten, die sich jedoch alle im Ausland
infiziert hatten. Meldepflicht besteht seit dem Jahr 2015. In Süd-
und Südosteuropa gab es in dieser Saison eine besonders heftige
Infektionswelle mit zahlreichen Todesfällen vor allem bei älteren
Menschen. Zuletzt meldete auch Tschechien nach Jahren erneut erste
heimische Erkrankungen.

Nachgewiesen wurde das Virus erstmals 1937 in der Region West Nil in
Uganda. Inzwischen ist der Erreger in weiten Teilen Afrikas, Asiens
und Europas heimisch. In den 1990er-Jahren schaffte er den Sprung
über den Atlantik und ist nun auch in den USA verbreitet.

Die Infektion verläuft laut LGL bei 80 Prozent der Infizierten
symptomlos. Nur bei etwa 20 Prozent zeigten sich leichte
Krankheitssymptome wie Fieber und grippeähnliche Erscheinungen. In
seltenen Fällen können schwere Infektionen jedoch zum Tod führen.