Smog in Peking alarmiert Eltern und Kinder: «Was können wir tun?» Von Andreas Landwehr, dpa
Pekings Schüler haben «smogfrei». Aber niemand freut sich. Eltern
müssen eine Betreuung organisieren, Kinder fürchten die verdreckte
Luft. Hoffnung verspricht allein der Wind - aber erst in drei Tagen.
Peking (dpa) - Über soziale Medien wie das in China beliebte WeChat
wurden die Eltern am Abend informiert: «Smogfrei», heißt es seit
Dienstag für alle Kinder in Peking. Erstmals in der Geschichte der
chinesischen Hauptstadt verhängen die Behörden wegen der hohen
Luftbelastung für drei Tage die «Alarmstufe Rot». «95 Prozent der
Eltern verstehen die Entscheidung, aber 5 Prozent waren sehr
verärgert», erzählt Kindergartenleiterin Laura Liu. «Sie haben
niemanden, der sich zu Hause um die Kinder kümmern kann.» In
Einzelfällen werde geholfen und die Kinder könnten trotzdem kommen.
Der Smog besorgt Eltern und Kinder. Nicht nur, dass die
Berufstätigkeit wenig Flexibilität zulässt. Auch sind gerade Kinder
durch die Schadstoffe gesundheitlich gefährdet. «Ich muss zur Arbeit
und mein Mann geht heute auf Geschäftsreise», sagt die 35-jährige
Frau Yin. «Ich habe ganz schnell meine Mutter angerufen.» Ihre Mutter
musste sich sogar von Zhuzhou in der zentralchinesischen Provinz
Hunan auf den weiten Weg nach Peking machen, um auf ihren sieben
Jahre alten Enkel aufzupassen.
«Ich unterstütze trotzdem die Alarmstufe Rot», sagt Frau Yin. «Ich
mache mir große Sorgen um unsere Gesundheit, inbesondere um die
unseres Kindes.» Wie schützt sie sich gegen Smog? «Wir lassen
Luftfilter laufen, gehen nicht vor die Tür und wenn doch, tragen wir
Atemschutzmasken.» Auch koche sie gesund, orientiere sich dabei an
der chinesischen Heilkunde. «Ich suche traditionelle Nahrungsmittel
oder chinesische Medizin, die gut ist, um die Lungen zu reinigen.»
Mit Luftfiltern, die umgerechnet einige Hundert bis zu 1700 Euro
kosten, schützen sich viele der 22 Millionen Pekinger. Das Geschäft
mit den Geräten boomt. Auf ihren Handys verfolgen die Menschen die
Luftwerte in der Stadt oder schauen gebannt auf Messgeräte daheim.
Aber auch Luftfilter bringen die Schadstoffwerte in Innenräumen nur
schwerlich unter die empfohlenen Grenzwerte.
Wer kann, arbeitet von zu Hause aus. Wie der 36-jährige IT-Ingenieur
Li. Er lässt auch sonst schon seinen viereinhalbjährigen Sohn bei
schlechter Luft daheim. «Wir kümmern uns nicht so sehr um die Politik
des Kindergartens», sagt Herr Li. «Die haben ja nicht einmal
Luftfilter.» Sein Sohn langweilt sich aber daheim. «Ich will in den
Kindergarten und mit meinen Freunden spielen», sagt Hanbaobao.
«Nur der Wind kann den Smog wegblasen», sagt der kleine Junge, was
vielen Pekingern angesichts der Untätigkeit der Behörden auch als
letzte Rettung vorkommt. «Der Wind kommt vom Himmel», sagt Hanbaobao.
«Können wir Wind machen? Nein. Nur der Himmel kann Wind machen.» Doch
neuer Wind wird frühestens in drei Tagen erwartet.
Sein Vater fordert die Behörden zum energischen Handeln auf. «Ich
unterstütze Alarmstufe Rot, aber es reicht nicht, einfach eine
Warnung auszurufen und dann nichts zu tun.» Die Luftverschmutzung
habe mit mächtigen Interessengruppen zu tun. «Wenn wirklich gegen den
Smog vorgegangen wird, wird es den Gewinnen einiger Leute schaden.»
Deswegen bleibe es eine langwierige Aufgabe.
«Was können wir tun?», fragt Herr Li. Er hat ein Gefühl der Ohnmach
t.
«Wir können uns nur so gut wie möglich vor dem Smog verstecken», sa
gt
der Ingenieur. «Die Situation ist schlecht, aber wir können ja auch
nicht einfach alles aufgeben und wieder in mein Heimatdorf
zurückkehren.» Li kommt aus einem kleinen Dorf in der Provinz Hubei,
und selbst da gebe es jetzt manchmal Smog, klagt er.
Kindergartenleiterin Liu findet es dennoch gut, dass jetzt in Peking
die höchste Alarmstufe mit Fahrverboten verhängt worden ist, obwohl
frühere Rekordwerte noch nicht erreicht wurden. «Ich denke, dass das
Bewusstsein wirklich besser wird.»
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