Report: Arzneimittelausgaben steigen rasant - Hohes Einsparpotenzial

23.09.2014 14:54

Neue Medikamente halten nicht immer, was sie versprechen. Deshalb
bekommen Hersteller dafür nur bei echten Zusatznutzen mehr Geld. Die
Einsparungen sind aber bisher hinter den Erwartungen zurückgeblieben.
Stattdessen steigen die Arzneimittelausgaben in neue Höhen.

Berlin (dpa) - Allen Sparbemühungen zum Trotz sind die
Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung 2013 auf
einen neuen Höchststand gestiegen. Für Medikamente gaben die Kassen
32,1 Milliarden Euro aus, rund eine Milliarde Euro oder 3,2 Prozent
mehr als im Vorjahr. Das geht aus dem jüngsten
Arzneiverordnungs-Report hervor, der am Dienstag in Berlin
vorgestellt wurde. «Die Arzneimittelpreise in Deutschland sind nach
wie vor zu hoch», sagte der Herausgeber und Pharmakologe Ulrich
Schwabe.

Für 2014 rechnen die Experten mit einem beschleunigten Anstieg.
Bereits im ersten Halbjahr seien die Arzneimittelausgaben um 9,1
Prozent auf 17,5 Milliarden Euro geklettert. Hauptgrund sei die
Senkung des Herstellerabschlages für patentgeschützte Medikamente.
Dadurch komme auf die GKV ein weiterer Kostenschub von etwa einer
Milliarde Euro zu. «Die von uns berechneten Einsparpotenziale sind
nicht kleiner geworden, sondern vor allem bei den Patentarzneimitteln
weiter gestiegen», betonte Schwabe. Diese lägen bei rund zwei
Milliarden Euro.

Gegriffen hätten allerdings Überprüfungen neuer Arzneimittel mit dem

Ziel, dass nur Mittel mit wirklichem Zusatznutzen auch mehr kosten
dürfen. Die Preise neuer Medikamente würden nun 4,6 Prozent niedriger
liegen als in Frankreich. 2013 habe die gesetzliche
Krankenversicherung dadurch schon 150 Millionen Euro gespart, für das
laufende Jahr sei mindestens mit der doppelten Summe zu rechnen. Ein
patentgeschütztes Arzneimittel kostet im Durchschnitt zehn Mal so
viel wie ein Nachahmerprodukt (Generikum).

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält beim
Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) Veränderungen für
notwendig, um mit der Entwicklung auf dem Pharmamarkt Schritt zu
halten. Als Beispiel nannte er die zunehmende Verbreitung
biologischer Wirkstoffe, die schwerer zu prüfen seien und eine
kürzere Laufzeit hätten. «Das AMNOG ist dafür nicht schnell genug
»,
sagte Lauterbach.

Der jährliche Arzneiverordnungs-Report erscheint seit 1985. Für die
aktuelle Ausgabe wurden 819 Millionen Verordnungen vom
Wissenschaftlichen Institut der AOK ausgewertet.