Ebolaforschung im Hochsicherheitstrakt Von Marco Strehler, dpa

Hunderte Menschen sind in Westafrika schon an Ebola gestorben - und
die Epidemie hält an. Im hessischen Marburg wird in einem der
modernsten Hochsicherheitslabors weltweit an dem Virus geforscht.

Marburg (dpa) - Eine Labormitarbeiterin in einem gelben, gummiartigen
Vollschutzanzug arbeitet mit einer Pipette, sie ähnelt einer
Astronautin. Ein schwarzer Schlauch verbindet sie mit einem Anschluss
an der Wand, der sie mit Frischluft versorgt. Überdruck im Anzug
verhindert, dass Partikel von außen eindringen. So sieht es aus, wenn
Mitarbeiter des Hochsicherheitslabors an der Universität Marburg
Virenerbgut aus der Blutprobe eines Ebola-Verdachtsfalls sichern.

Das Marburger Labor ist eines von nur drei in Deutschland, das die
Anforderungen der höchsten Sicherheitsstufe BSL 4 erfüllt. Ein
weiteres gibt es am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI)
in Hamburg, das andere betreibt das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI)
auf der Insel Riems. Ein viertes entsteht derzeit am Robert
Koch-Institut (RKI) in Berlin.

Nur hier darf mit hochansteckenden Viren gearbeitet werden, für die
es noch keine wirksamen Medikamente oder Impfstoffe gibt. An deren
Entwicklung sind die Forscher beteiligt. Prof. Stephan Becker, Leiter
des Marburger Instituts für Virologie, könnte demnächst eine Studie
zur Wirkung eines vielversprechenden Ebola-Impfstoffes durchführen.
«Die Voraussetzungen dafür wären hier bei uns ideal», sagt er.

Es geht um das in Kanada entwickelte Vakzin VSV-EBOV. Solche
Impfstoffe könnten vorbeugend verhindern, dass sich Menschen mit
Ebola infizieren - ähnlich wie zum Beispiel ein Grippeimpfstoff. Die
US-Gesundheitsinstitute (NIH) kündigten Ende August gleich mehrere
Studien zu verschiedenen Impfstoffen am Menschen an, die im Herbst
anlaufen sollen. Zusammen mit einem Pharmakonzern starteten sie erste
Tests an etwa 20 Teilnehmern.

Nicht nur für die Forschung, auch für Diagnosen ist das Marburger
Labor wichtig. Sollte am internationalen Drehkreuz Frankfurt ein
Reisender ankommen, der Ebola-Symptome wie Fieber, Durchfall und
Erbrechen zeigt, würde er zunächst an der Uniklinik Frankfurt
isoliert. Bestätigt sich ein Kontakt zu eventuell infizierten
Menschen in einem Land wie Liberia oder Guinea, bringt die
Frankfurter Feuerwehr sofort eine Blut- und Speichelprobe nach
Marburg.

«Die Arbeit, die wir hier machen, ist sicher», betont Becker. Vier
Sicherheitsschleusen müssen die Mitarbeiter passieren, um in das
Labor zu kommen. Die Schutzanzüge werden vor und nach der Arbeit in
einer chemischen Dusche desinfiziert, die technische Ausstattung des
Gebäudes muss besondere Standards erfüllen, alle wichtigen
Versorgungsgeräte sind doppelt vorhanden.

Seit dem Ausbruch der Epidemie seien immer mindestens drei
Mitarbeiter des Labors in Rufbereitschaft, um eine Probe untersuchen
zu können, sagt Laborleiterin Olga Dolnik. Zweimal wurden sie seit
dem Auftreten der ersten Fälle in Westafrika tätig, in beiden Fällen

bestätigte sich der Verdacht nicht. Man könne innerhalb von sechs bis
acht Stunden nach der Einstufung eines Patienten als Verdachtsfall
eine sichere Diagnose liefern, sagt die Humanbiologin.

Die Marburger schicken zudem regelmäßig Mitarbeiter nach Westafrika,
die mit anderen europäischen Wissenschaftlern vor Ort bei Diagnosen
helfen und einheimische Mitarbeiter schulen. Das sei wichtig, denn
nur die Einheimischen selbst könnten die Epidemie besiegen. «Die
Menschen müssen selbst verstehen, dass sie sich an die
Quarantänemaßnahmen halten müssen», sagt Becker.

Außerdem trage man mit der Forschung dazu bei, dass sich eine
Infektionskrankheit in Deutschland nicht so schnell ausbreiten
könnte, weil Strategien für den Ernstfall entwickelt wurden. Je
stärker Ebola in Westafrika wüte, desto wichtiger werde das, denn
umso wahrscheinlicher werde, dass irgendwann ein infizierter Fluggast
in Deutschland ankomme.

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