Das Kanzleramt sucht nach dem richtigen Stups Von Kristina Dunz, dpa

05.09.2014 11:45

Stets mit einiger Verzögerung kommen Neuheiten aus den USA auch in
Deutschland an. Jetzt ist es das «Nudging» - das Anstoßen effektiver,

gesunder und vernünftiger Verhaltensweisen der Bürger ohne Zwang.
Merkels Kanzleramt startet einen Pilotversuch.

Berlin (dpa) - Wie können Jugendliche vom Koma-Saufen abgehalten
werden? Mit welchen Mitteln kann das Finanzamt Steuersünder zu mehr
Ehrlichkeit bewegen? Wieso isolieren Hausbesitzer nicht ihre Dächer,
wenn das langfristig billiger ist als ein hoher Energieverbrauch? Um
Verhaltensweisen zu ändern, bedarf es manchmal eines «Nugde», zu
Deutsch: Stups. Darum kümmert sich jetzt das Kanzleramt.

Auch diese Welle ist aus Amerika herübergeschwappt. In Großbritannien
wird die Strategie schon seit Jahren angewandt. Dänemark hat den
Impuls aufgenommen, und 2013 fand die Idee Eingang in den
schwarz-roten Koalitionsvertrag.

Nun sucht die Regierungszentrale drei neue Fachkräfte, die
hervorragende psychologische, soziologische und verhaltensökonomische
Kenntnisse mitbringen und durch vertiefte Situationsanalyse
alternative Lösungsansätze für ein «wirksameres Regieren» entwick
eln
sollen. Handelt es sich beim Stupsen - dem «Nudging» - um Esoterik?
Nein, es geht um Wissenschaft.

Richard Thaler und Cass Sunstein, US-Experten für Verhaltensökonomie,
schrieben 2008 ein Buch mit dem Titel «Nudge» oder «Wie man kluge
Entscheidungen anstößt». Ihre Theorie: Der Staat hat größere Erfo
lge
mit Vorgaben und Vorhaben, wenn die Bürger erstens den Sinn und
zweitens die eigene Verantwortung, den eigenen Nutzen erkennen.
US-Präsident Barack Obama berief Sunstein zum obersten Deregulierer.
Der britische Premierminister David Cameron hat ein «Behavioral
Insights Team» mit den Schwerpunkten Bürokratieabbau, Kultur des
Gebens, Wachstum, Energie und Konsumenten.

Im Kanzleramt nennt man ein Beispiel: 40 Prozent der Dächer in
britischen Häusern haben keine ausreichende Isolierung. In den
Kommunen wurde nachgeforscht, warum die Bürger bereit waren, trotz
aller Aufklärung auf Dauer mehr Geld für das Heizen auszugeben als
für Investitionen in ihr Dach. Die Bewohner räumten ein, dass es auf
ihrem Speicher chaotisch aussehe und sie sich scheuten, aufzuräumen.

Die Regierung bot an, für die Isolierungsarbeiten die Dachstühle
entrümpeln zu lassen und überflüssige Möbel, Kleider, Bücher an
Wohltätigkeitsorganisationen zu geben. Die Zahl der Isolierungen habe
sich dadurch verdreifacht.

Wenn in Deutschland ein Informationsblatt zur Energiewende
herausgegeben werde, klopften das sieben Juristen tagelang auf
mögliche Haftungsansprüche und Missverständnisse ab, sagen
Mitarbeiter der Bundesregierung. Danach verstünden viele Bürger aber
zum Teil die Welt nicht mehr. Projekte drohten, ins Leere zu laufen.

Einfache Sprache, Symbole, Anreize statt Verbote und Anordnungen
seien ein neues Ziel. Je persönlicher das Schreiben, desto größer die

Nähe und die Möglichkeit der sanften Lenkung. Dabei müsse die Politik

aber strikt darauf achten, dass sie die Menschen nicht manipuliere.
Das ist die Hauptkritik von Gegnern dieser Methode. Sie sehen die
Gefahr, dass sich die Regierung Musterbürger formt.

Eines der einfachen und bekanntesten Beispiele für «Nudging» -
zumindest bei Männern - ist eine aufgeklebte Fliege in einem Pissoir.
Statt der strengen Aufforderung, die Toilette sauber zu halten, seien
die Männer spielerisch aufgefordert, besser zu zielen. Daraus
entwickelte sich sogar ein Klo-Kicker mit kleinen Fußballtoren im
Urinal. Das Resultat: 80 Prozent weniger Urin auf dem Boden.

In Deutschland enorm erfolgreich ist die Kampagne «Gib Aids keine
Chance», die mit viel Humor erst einmal für Kondome geworben hat. Und
Rauchen und übermäßiges Trinken von Jugendlichen wird auf Plakaten
als uncool dargestellt, ein klarer Kopf und eine saubere Lunge
dagegen als schick. Heute rauchen deutlich weniger junge Menschen als
vor zehn Jahren.

Zu den Aufgaben der neuen Projektgruppe im Kanzleramt könnte eine
Broschüre gehören, die den Menschen besser erklärt, warum sie privat

für ihr Auskommen im Alter vorsorgen müssen. Auf Anhieb erscheint es
Kanzlerin Angela Merkel offenbar nicht logisch, wenn sich Bürger, die
einen Betrag X aufbringen könnten, nicht der Tatsache stellen, dass
ihre Rente einmal nicht reichen wird. Damit verstießen sie gegen ihre
eigenen Interessen. Vielleicht seien sie im Alltag überlastet,
vielleicht zögen sie aber auch kurzfristigen Konsum vor. Eine
Herausforderung für die neuen Mitarbeiter.

Das Interesse sei groß, es gebe bereits eine Reihe von Bewerbungen,
heißt es im Kanzleramt. Die Stellen seien nicht hoch dotiert und bis
zum Ende der Legislaturperiode befristet. Eine direkte Beratung der
Kanzlerin durch die neuen Psychologen und Verhaltensökonomen sei
nicht geplant. Es geht um Veränderungen in Apparat und Staat - nicht
der Chefin.






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