(Zum 13. Dezember) Der schüchterne Superökonom - US-Notenbankchef Bernanke wird 60 Von Marco Mierke, dpa (Foto - Archiv)
Ein Wort von Ben Bernanke kann Börsen taumeln oder jubeln lassen. Der
Chef der US-Notenbank ist auch auf dem Olymp der Wirtschaftswelt ein
ganz normaler Mann geblieben. Seinen 60. Geburtstag feiert er nun am
Ende einer Bilderbuch-Karriere.
Washington (dpa) - Für einen der mächtigsten Männer der Finanzwelt
wirkt Ben Bernanke überraschend zurückhaltend. Der scheidende Chef
der US-Notenbank Federal Reserve spricht seine marktbewegenden Worte
stets mit ruhiger, fast ausdrucksloser Stimme. Temperamentvolle
Gesten oder gebieterisches Gehabe sind nicht seine Sache. Von den
Partys der Reichen und Bedeutenden in der Hauptstadt Washington hält
er sich fern, lieber erledigt er daheim mit seiner Ehefrau Anna den
Abwasch und löst Kreuzworträtsel, schrieb das Magazin «Time» einst.
Was für ein Kontrast: Sein schüchternes Auftreten und sanftmütiges
Gesicht hinter dem weißen Vollbart lassen kaum erahnen, welch
immensen Einfluss Benjamin Shalom Bernanke auf das Wohl und Wehe der
globalen Ökonomie hat. Er muss nur vage Andeutungen über leichte
Änderungen der Geldpolitik seiner Zentralbank machen und schon
brechen auf den Weltmärkten Tumulte aus. Allmachtsfantasien scheint
das beim Fed-Chef nicht auszulösen. Auch seinen 60. Geburtstag am
kommenden Freitag wird er wahrscheinlich eher bescheiden feiern.
Dabei könnte Bernanke, der sein Amt Ende Januar an Nachfolgerin
Janet Yellen abgibt, angesichts seiner Bilderbuch-Karriere eine große
Sause veranstalten. Fünf Jahre vor dem gewöhnlichen Rentenbeginn hat
er eigentlich alles erreicht, was es in der Ökonomenwelt zu erreichen
gibt. Schon als Jugendlicher fiel er durch seinen Intellekt auf. Mit
elf Jahren gewann er den Buchstabierwettbewerb seines Heimatstaates
South Carolina. Erst im bundesweiten Finale scheiterte er - am Wort
«Edelweiß», wie Biografen süffisant festhielten.
Den Test für die Zulassung zur Universität bestand der Sohn eines
Apothekers und einer Lehrerin mit brillantem Ergebnis. Zuvor brachte
er sich die Infinitesimalrechnung selbst bei, weil seine High School
sie nicht auf dem Lehrplan hatte. Als Spross einer jüdischen Familie
lernte er auch Hebräisch. In den Ferien machte er Gelegenheitsjobs,
etwa als Kellner oder auf dem Bau.
Das Wirtschaftsstudium an der Elite-Uni Harvard schloss er mit
Bestnote ab, den Doktortitel erwarb er am renommierten Massachusetts
Institute of Technology. Fast 20 Jahre lehrte und forschte er als
Professor an den berühmten Universitäten in Stanford und Princeton,
bis er 2002 zur Fed wechselte.
Der damalige Präsident George W. Bush machte Bernanke 2005 zu
seinem obersten Wirtschaftsberater, nur um ihn kurz darauf für den
noch ruhmreicheren Posten an der Spitze der Notenbank zu nominieren.
Das wirkt heute wie eine Ironie der Geschichte, hatte sich der Ökonom
doch vor allem mit Forschung über die große Depression der 30er Jahre
einen Namen gemacht. Nur eineinhalb Jahre nach seinem Antritt als
oberster Währungshüter brach 2007 die heftigste Wirtschaftskrise seit
damals über die größte Volkswirtschaft herein.
Fachleute werden wohl noch lange darüber streiten, ob und wie sehr
Bernanke dazu beigetragen hat, die US-Konjunktur wieder auf Trab zu
bringen. Unter seiner Ägide hält die Notenbank seit Jahren den Zins
bei knapp über Null Prozent und steckte zudem 3,5 Billionen Dollar in
Staatsanleihen und Hypothekenpapiere. Das ist historisch einmalig und
nicht ohne Risiko. «Dieser schüchterne, methodische Ökonom hat sich
unter dem Druck zum vielleicht innovativsten und mutigsten Führer in
der Geschichte der Fed entwickelt», urteilte die «New York Times»
jüngst. Darüber hinaus hat er der ehrwürdigen Federal Reserve einen
neuen Stil verpasst, der auf mehr Offenheit setzt.
Völlig offen ließ Bernanke bisher, wie er sich seine Zeit nach dem
Abschied vom Fed-Vorsitz vorstellt. Geht er wieder an eine Uni, sucht
er sich einen lukrativen Posten im Bankensektor, berät der
Republikaner künftig Politiker? Wahrscheinlich ist wohl, dass sich
der Vater zweier erwachsener Kinder öfter im Stadion der Washingtoner
Baseball-Mannschaft sehen lässt. Auch in den vergangenen Jahren
schlich er sich häufiger in Jeans und mit einer Mütze auf dem Kopf zu
den Spielen. Denn wenn er nicht gerade Märkte bewegt, ist Bernanke
ein Mann von nebenan.
Online-Wechsel: In drei Minuten in die TK
Online wechseln: Sie möchten auf dem schnellsten Weg und in einem Schritt der Techniker Krankenkasse beitreten? Dann nutzen Sie den Online-Beitrittsantrag der TK. Arbeitnehmer, Studenten und Selbstständige, erhalten direkt online eine vorläufige Versicherungsbescheinigung. Die TK kündigt Ihre alte Krankenkasse.
hkk: Günstigste Krankenkasse
In drei Minuten in die hkk wechseln: Nutzen Sie das Online-Beitrittsformular der hkk. Wechseln Sie schnell, sicher und bequem online.