Warstein und die Legionellen: Die Unsicherheit bleibt Von Jörg Taron, dpa
Immer noch keine Legionellen-Entwarnung in Warstein. Die Einwohner
sauerländischen Warstein haben sich auf die Situation eingestellt.
Doch Touristen bleiben wegen einer Reisewarnung weg.
Warstein (dpa) - Die Suche nach der Ursache für den beispiellosen
Legionellen-Ausbruch im Sauerland gestaltet sich schwierig. Jetzt ist
eine Kläranlage in Warstein in den Mittelpunkt der Untersuchungen
geraten. Von dort könnten die Krankheitserreger stammen, durch die
mehr als 150 Menschen erkrankt und zwei Männer gestorben sind. Doch
absolut sicher ist das noch nicht. Die Warsteiner müssen deshalb
weiter auf Entwarnung in einem der größten Legionellen-Fälle in
Deutschland warten.
Während Experten am Ort und in verschiedenen Laboren dem Weg der
Legionellen nachspüren, geht der Alltag in Warstein weiter. Nach dem
Ende der Sommerferien begann am Mittwoch der Schulunterricht. Nur
Touristen bleiben wegen einer Reisewarnung des Kreis-Gesundheitsamtes
in Soest aus.
«Wir hatten nur einen Schüler, der vermutlich wegen der
Legionellen nicht zum Schuljahresbeginn gekommen ist», sagt der
Schulleiter des Warsteiner Gymnasiums, Werner Humbeck. Er hatte den
Eltern wegen der noch immer unklaren Situation freigestellt, ob sie
ihren Nachwuchs zur Schule schicken. «Wenn ich hier durch die Stadt
fahre, fällt mir nichts auf», sagt er zur Stimmung in der Stadt.
Am Krisenmanagement des Kreises Soest äußert der Schulleiter
Kritik: «Wir fühlen uns ein bisschen alleingelassen.» Es habe keine
Informationen und Empfehlungen gegeben. Im Unterricht sind die
Bakterien schon angekommen. Ein Biologie-Kurs der Oberstufe befasste
sich gleich am ersten Schultag mit der aktuellen Situation.
Viele Warsteiner bekommen seit der Empfehlung des Kreises, auf
unnötige Besuche in der Stadt zu verzichten, überraschende Anrufe von
Verwandten und Bekannten. Weil die Warnung bundesweit durch die
Medien ging, machen sie sich Sorgen um die Warsteiner.
Die Empfehlung sorgt in den Hotels für Stornierungen, die
Gastronomen haben deutlich weniger Gäste. Auch in den Geschäften gibt
es weniger Kunden als üblich. Auf bis zu 50 Prozent beziffern manche
Einzelhändler ihre Umsatz-Einbußen.
«Ich glaube nicht, dass mich ein Bürgermeister irgendwo in der
Republik derzeit um meinen Job beneidet», sagt auch Bürgermeister
Manfred Gödde. Er hofft, dass spätestens in der kommenden Woche
weitere Laborergebnisse eine Entwarnung erlauben. Bis dahin müssten
die Warsteiner noch mit der Unsicherheit leben. «Wir können doch
nicht flüchten», sagt Gödde. Die Aufmerksamkeit, die seine Stadt
derzeit erregt, hätte er sich lieber mit positiven Nachrichten
gewünscht.
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