(Hintergrund - Dokumentation) Einstellungsbeschluss des Contergan-Prozesses

12.12.2010 01:30

Aachen (dpa) - Das Landgericht Aachen stellte am 18. Dezember
1970 den Strafprozess gegen den Chef und acht führende Mitarbeiter
des damaligen Contergan-Herstellers Grünenthal ein wegen geringer
Schuld und fehlenden öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung.
Auszüge aus dem Einstellungsbeschluss im Wortlaut:

   «Eine sachgerechte und vernünftige Würdigung der genannten
Tatsachen lässt zur Überzeugung der Kammer nur den Schluss zu, dass
Thalidomid die Ursache dieser Missbildungen ist.

   Wie die Sachverständigen (...) übereinstimmend berichtet haben
,
brach die Missbildungswelle etwa neun Monate nach der Zurücknahme
Thalidomids aus dem Handel schlagartig ab.

   Eine vorsätzliche Gesetzesverletzung der Angeklagten ist aber -

wie dargelegt - bisher nicht erwiesen, ein Gelingen dieses Nachweises
auch bei einer Fortsetzung der Hauptverhandlung nicht wahrscheinlich.
Wie ausgeführt, kann (...) den Angeklagten der Vorwurf fahrlässig
strafbaren Verhaltens gemacht werden.

   Das Verhalten der Angeklagten, das zur Verursachung von
Polyneuritien (Nervenerkrankung) und Missbildungen geführt hat, muss
jedoch vor dem Hintergrund der damaligen Lage eines Arzneimittel
herstellenden Unternehmens gesehen werden.

   Auch die zuständigen Gesundheitsbehörden des Bundes und der L
änder
haben es gegenüber den Angeklagten an dem nötigen Nachdruck fehlen
lassen.

   Die Schwere der möglichen Schäden hätte es hier insbesondere

geboten, Gedanken an die wirtschaftliche Zukunft des Unternehmens und
das persönliche Fortkommen außer Acht zu lassen ...»

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