Mit Masken, aber ohne zu dicke Sohlen: Comeback für Berlin-Marathon Von Robert Semmler, dpa

24.09.2021 12:58

Für die Laufszene ist es ein besonderer Tag: Der Berlin-Marathon
kehrt nach einer Corona-Pause mit einem beachtlichen Feld zurück. Die
Veranstalter haben ein ausgeklügeltes Hygienekonzept. Bei der Elite
um Kenenisa Bekele achten die Veranstalter auf etwas ganz Anderes.

Berlin (dpa) - Auf diesen Tag haben sie in Berlin lange gewartet -
nicht nur die Politik im benachbarten Regierungsviertel wegen der
Bundestagswahl, sondern auch die Organisatoren des Marathons. Nach
einer coronabedingten Pause im Vorjahr werden sich am Sonntag
(9.15/ARD und RBB) etwa 25 000 Läuferinnen und Läufer auf die 42,195
Kilometer lange Reise durch die Hauptstadt machen und am
Brandenburger Tor kurz vor dem Ziel ein Gefühls-Hoch erleben. Für die

künftigen Entscheidungsträger kann die Traditionsveranstaltung
wichtige Erkenntnisse für ihre Corona-Politik nach der Wahl liefern.

«Wir zeigen, dass es wieder geht, dass man etwas machen kann», sagt
Geschäftsführer Jürgen Lock vom Veranstalter SCC Events und betont

den Vorbildcharakter dieses Marathons - des laut Organisatoren
weltweit größten seit dem Beginn der Corona-Pandemie vor anderthalb
Jahren. «Ich glaube, die Welt guckt und schaut auf uns, alle
Laufveranstaltungen schauen auf uns», sagt Lock.

Da spielt es keine Rolle, dass die Teilnehmerzahlen in Berlin in den
vergangenen rund 20 Jahren höher lagen und kontinuierlich stiegen.
Bei der bislang letzten Austragung 2019 erreichten fast 44 000 der
Gestarteten das Ziel. An diesem Samstag treten noch etwa 2800
Menschen beim Inline-Marathon an, außerdem sind am Sonntag mehr als
100 Para-Athleten dabei. «Es ist alles auf einem Niveau, wo wir noch
nicht volle Kraft fahren», sagt Lock, dessen Team am Jahresanfang
entschied, den Marathon für 2021 zu planen. Bei zwei kleineren
Veranstaltungen wurden zuletzt Erfahrungen gesammelt.

So waren dort rund 90 Prozent der Starterinnen und Starter geimpft
oder von einer Corona-Infektion genesen, beim Marathon am Wochenende
rechnet Lock mit einer noch etwas höheren Quote. Alle anderen müssen
sich höchstens 48 Stunden vor ihrem Start einem PCR-Test unterziehen,
den die Veranstalter anbieten. Sie rechnen mit knapp 2000 Tests. Der
finanzielle Aufwand liegt laut Lock im sechsstelligen Bereich, und
zwar nicht im tiefen.

Zudem sind Mund-Nasen-Schutz im Start- und im Zielbereich für alle
verpflichtend, ebenso für die Zuschauer entlang der Strecke, die auf
genug Abstand achten müssen - wenn sie denn kommen. «Wir fordern sie
nicht auf, zu Hause zu bleiben, aber wir fordern sie auch nicht auf,
an die Strecke zu kommen. Wir sind neutral», sagt Lock.

Renndirektor Mark Milde verspricht: «Es wird ein außerordentlicher
Tag werden, auch aufgrund der sportlichen Besetzung.» Der Star der
47. Austragung ist der Äthiopier Kenenisa Bekele. Der dreimalige
Bahn-Olympiasieger lief bei seinem Sieg vor zwei Jahren in 2:01:41
Stunden nur läppische zwei Sekunden am Weltrekord von Eliud Kipchoge
vorbei, den der Marathon-Olympiasieger aus Kenia 2018 in Berlin
aufstellte. Bekele ist inzwischen allerdings schon 39 Jahre alt und
musste eine Corona-Infektion überstehen.

Bekele räumte am Freitag schwierige Zeiten ein, ist aber
zuversichtlich. «Ich spüre meine Energie. Mein Alter merke ich nicht,
es ist ein gutes Alter für Marathon», sagte er. Schon in sechs Wochen
will Bekele in New York erneut starten. Das Frauen-Feld führt die
Weltjahresbeste Hiwot Gebrekidan an, die Äthiopierin will ihre
diesjährige Marke von 2:19:35 Stunden unterbieten.

Was nicht passieren soll: dass wie zuletzt in Wien der Sieger wegen
einer zu dicken Schuhsohle disqualifiziert wird, weil sie eine
Leistungssteigerung verspricht. Laut Milde mussten alle
Spitzenläuferinnen und -läufer bestätigen, dass ihre Schuhe den
Regeln entsprechen. «Wir haben das schriftlich, dass sie uns nichts
Böses wollen», sagt der Renndirektor. Es soll Kontrollen geben, im
Zweifelsfall würden Schuhe an ein schwedisches Labor zur Untersuchung
geschickt. Etwa 150 Athletinnen und Athleten zählen zur Elite, alle
könne man nicht kontrollieren, räumte Milde ein. Bekele sieht durch
die neuen Schuhe einen großen Vorteil - aber für alle.