Studie: Unions-Wähler befürworten Bürgerversicherung

17.09.2021 10:53

Münster/Berlin (dpa) - In der Frage des Krankenversicherungssystems
gibt es nach einer Erhebung von Wissenschaftlern eine Kluft zwischen
den Wählern von Union, FDP und AfD und deren Wahlprogrammen. Während
nämlich diese Parteien an der Trennung von gesetzlicher und privater
Krankenversicherung festhalten wollen, befürwortet die Mehrheit ihrer
Anhängerschaft eine einheitliche Krankenkasse für alle Menschen. Das
geht aus Daten der Universität Münster hervor, die der Deutschen
Presse-Agentur in Berlin vorliegen.

Beim «Wahl-Kompass», den die Politikwissenschaftler in Münster analog

zum «Wahl-O-Mat» entwickelt hatten, unterstützten 53 Prozent der
Unions-Anhänger eine «einheitliche Krankenversicherung», in die «al
le
einzahlen». Unter den Usern, die sich als FDP-Wähler ausgaben, lag
die Unterstützung bei 56 Prozent, bei den AfD-Anhängern waren es
sogar 66 Prozent. Das genannte Ziel entspricht aber eher der
sogenannten Bürgerversicherung, wie sie etwa von SPD, Grünen und
Linken angestrebt wird.

Ähnliche Ergebnisse zeigen sich beim Ziel einer einheitlichen
Rentenversicherung, in die auch Beamte und Selbstständige einzahlen:
Während Union und FDP dies ablehnen, sind mehr als 60 Prozent ihrer
Anhänger laut der Studie dafür. Unter den Wählern der AfD, die
ebenfalls gegen ein solches Vorhaben ist, liegt die Zustimmung sogar
bei 75 Prozent. Der Politikwissenschaftler Norbert Kersting räumte
ein, die Daten seien zwar nicht repräsentativ - angesichts von
mehreren zehntausend Teilnehmern aber trotzdem sehr aussagekräftig.

DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel sieht in der Umfrage die künftige
Bundesregierung gefragt. «Das Umfrageergebnis zeigt deutlich: Die
nächste Bundesregierung - unabhängig davon, wie sie sich
zusammensetzt - hat nach der Wahl den klaren Auftrag, die
Bürgerversicherung einzuführen», sagte Piel der dpa. Die Wähler von

Union und FDP hätten «die Notwendigkeit von mehr Solidarität
erkannt», nun müssten die Parteien ihre «sture Blockadehaltung bei
dem Thema aufgeben», forderte Piel.