Genügend Corona-Tests für Schulen in NRW? - Städtetag zweifelt

05.04.2021 05:00

In der letzten Osterferienwoche wachsen bei allen Betroffenen die
Sorgen, wie es nun an Kitas und Schulen weitergeht. Auch die Städte
verlangen von der Landesregierung klare Kriterien für Öffnen oder
Schließen und mehr Schutz für Kinder und Lehrer und Erzieher.

Düsseldorf (dpa/lnw) - Der Städtetag Nordrhein-Westfalen zweifelt,
dass genügend Corona-Tests zur Verfügung stehen, falls die Schulen
nach den Osterferien wieder geöffnet werden. Zwar habe die
Landesregierung eine Testpflicht an Schulen angekündigt, sagte der
Landesvorsitzende des Städtetags, Bielefelds Oberbürgermeister Pit
Clausen, der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf. Um die
versprochenen zwei Selbsttests pro Schüler zur Verfügung zu stellen,
seien wöchentlich aber etwa fünf Millionen Test-Sets nötig. «Diese

Menge ist bisher bei weitem nicht vorhanden», sagte Clausen. «Das
Land muss jetzt liefern.»

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hatte in der vergangenen Woche
versichert, die Auslieferungen an die Schulen würden auch in den
Ferien fortgesetzt. Damit sei «sichergestellt, dass bei einem
Schulstart nach den Osterferien für alle Schülerinnen und Schüler
zwei Selbsttests pro Woche bereitstehen».

Dann müssten die Test-Kits jetzt aber schnell und in großen Mengen
ankommen, unterstrich Clausen. «Die Städte wollen, dass
Schulunterricht nicht nur digital, sondern auch wieder mit Präsenz
weitergehen kann, sobald es die Infektionslage zulässt.» Das sei aber
nur verantwortbar, wenn die Tests tatsächlich vorhanden seien.

Zu prüfen sei, ob künftig nicht besser zu Hause getestet werden
sollte. «Dann würden positiv Getestete gar nicht erst in die Schule
kommen.» Diese Forderung hatten zuvor auch Lehrergewerkschaften und
die SPD-Opposition erhoben. «Nur mit mehr Impfungen der Lehrkräfte
und regelmäßigen Tests wird es gelingen, den Präsenzunterricht in den

Schulen unter schwierigen Pandemiebedingungen aufrecht zu erhalten»,
mahnte Clausen.

Darüber hinaus müsse die Landesregierung rasch festlegen, ab welchem
landesweiten Inzidenzwert Schulen in den Distanzunterricht und Kitas
in die Notbetreuung wechseln sollten. Eltern, Lehrkräfte, Erzieher,
aber auch die kommunalen Träger von Kitas und Schulen müssten wissen,
welche Grundregeln nach den Osterferien gelten.

«Die Städte brauchen klare Kriterien für die lokale Notbremse ab dem

Inzidenzwert 100», forderte Clausen. «Wir müssen in dieser Situation

vor Ort über Schul- und Kitaschließungen entscheiden und auf
Notbetreuung umstellen können.» Falls sich in einer Stadt Kinder und
Jugendliche deutlich häufiger infizierten als Erwachsene, müsse
möglicherweise schneller bei Schulen und Kitas gehandelt werden.

Gebauer hatte für diese Woche Gespräche mit Schulverbänden zur
Wiederaufnahme des Unterrichts avisiert. Bereits in der vorletzten
Woche hatte das Schulministerium angekündigt, dass es im
bevölkerungsreichsten Bundesland nach den Osterferien zunächst keinen
Regelbetrieb mit vollständigem Präsenzunterricht geben werde. Sofern
es das Infektionsgeschehen zulasse, sollen die Schulen zunächst für
die Dauer von zwei Wochen in den Wechselunterricht starten.

Auch für den Kitabereich werden Gespräche mit den beteiligten
Verbänden erwartet.