Ansturm auf Astrazeneca für Gruppe «60 plus» - viele schon gepikst

03.04.2021 22:02

Die Altersbeschränkung für Astrazeneca wird zur Chance für die
Impf-Gruppe «60 plus». Am Karsamstag glühen schon am frühen Morgen

die frei geschalteten Leitungen für Termin-Buchungen. Einige werden
noch am selben Tag geimpft.

Düsseldorf (dpa/lnw) - Der Ansturm auf die Impf-Termine für die
Altersgruppe 60 plus hat schon am frühen Samstagmorgen zu
überlasteten Leitungen am Telefon und im Internet geführt. Während
viele sich vergeblich die Finger wund wählten, kamen die ersten
erfolgreichen Termin-Jäger hingegen bereits am selben Tag an ihre
Impfung.

Nach Angaben des Düsseldorfer Gesundheitsministeriums wurden bis
17.00 Uhr 213 180 Termine für Erstimpfungen mit dem Präparat von
Astrazeneca vergeben - 100 063 im Landesteil Nordrhein und 113 117 im
Landesteil Westfalen-Lippe. Von über 80 000 Buchungen in den ersten
vier Stunden hätten 150 bereits direkt zu Impfungen geführt,
berichtete die KV Westfalen-Lippe. Die Impfung in allen Impfzentren
laufe das ganze Osterwochenende auf Hochtouren.

Die KV Nordrhein meldete am Mittag 33 000 Impftermin-Buchungen
innerhalb der ersten zweieinhalb Stunden. «Dies war leider ein nicht
völlig problemfreier Start mit Ansage», bilanzierte der
Vorstandsvorsitzende Frank Bergmann in einer Mitteilung. «Das kann
kein noch so gut durchdachtes System leisten.» Die Hotlines der
beiden KV verzeichneten bis 17.00 Uhr rund 1,2 Millionen Anrufe. Laut
Ministerium zwangen rund 99 Millionen Zugriffe auf das
Terminbuchungsportal allein im Rheinland und etwa 90 Millionen in
Westfalen-Lippe die Systeme vorübergehend in die Knie.

Die Gruppe ab 60 Jahren kommt außerhalb der üblichen Reihenfolge zum
Zuge, nachdem die Ständige Impfkommission empfohlen hatte, das Vakzin
von Astrazeneca für Jüngere nicht mehr einzusetzen. Hintergrund sind
Fälle von Blutgerinnseln (Thrombosen) in Hirnvenen. Damit wurden
allein in NRW kurzfristig 450 000 Impfdosen frei.

Laut Gesundheitsministerium kommen in NRW potenziell rund 3,8
Millionen Menschen zwischen 60 und 79 Jahren infrage, die versuchen
können, sich für diese Astrazeneca-Charge anzumelden. Demnach wurden
für die Sonderaktion insgesamt 364 750 Termine in die Buchungssysteme
der Kassenärztlichen Vereinigungen eingestellt. Die übrigen 85 250
Termine sollen über kommunale Strukturen oder Hausärzte an über
60-Jährige vergeben werden.

«Der Ansturm auf die Impftermine ist ein gutes Zeichen und ein
wichtige Signal», sagte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU)
laut einer am Abend veröffentlichten Mitteilung seines Ressorts. «Das
zeigt uns, dass die Menschen dem Astrazeneca-Impfstoff weiterhin
vertrauen.» In den kommenden Tagen würden damit mindestens 450 000
Menschen mehr eine Erstimpfung erhalten und wären so «sehr gut gegen
das Coronavirus geschützt». Im April würden fast zwei Millionen
Impfdosen für die Impfzentren des Landes erwartet. Dazu kämen
diejenigen, die vom Bund direkt an die Hausärzte gingen. Damit werde
die Impfkampagne noch einmal ordentlich Fahrt aufnehmen.

Schon kurz nach Öffnung der Leitungen hatte das Ministerium per
Twitter gemeldet, die Buchungssysteme seien überlastet: «Für die
Unannehmlichkeiten bitten wir um Verständnis». Die Termine in den
Impfzentren der Stadt Bielefeld sowie in den Kreisen Soest, Steinfurt
und Warendorf waren schon am Nachmittag komplett ausgebucht.

Obwohl viele Bürger über erfolglose Buchungsversuche klagten,
bezeichneten beide Vereinigungen ihre Systeme als grundsätzlich
stabil. Die KV Westfalen-Lippe räumte aber «leichte Verzögerungen
beim Versand der Registrierungs- und Bestätigungsmails» ein und bat
um Geduld: «Eine erneute Registrierung sollte zunächst nicht
vorgenommen werden.»

Termine können online gebucht werden über www.116117.de
(Westfalen-Lippe) oder www.coronaimpfung.nrw/patienten (Nordrhein)
sowie telefonisch über die zentrale Rufnummer 116 117 beziehungsweise
über 0800 116 117 02 für Westfalen-Lippe und 0800 116 117 01 für das

Rheinland. Das Gesundheitsministerium und die Vereinigungen
appellierten mehrfach an Interessierte, nicht locker zu lassen bis
alle Termine vergeben seien.

Die Buchungen für den Jahrgang 1941 sollen am Dienstag, unabhängig
von dieser Sonderaktion, wie geplant, um 8.00 Uhr starten.