Kritische Corona-Marke überschritten - was passiert in Esslingen?

08.10.2020 05:00

Erstmals hat mit dem Kreis Esslingen eine Region im Südwesten den
kritischen Corona-Grenzwert von 50 Neuinfektionen überschritten. Was
für Maßnahmen werden nun in der Region ergriffen, um die Lage wieder
in den Griff zu bekommen?

Stuttgart (dpa/lsw) - Nach dem Überschreiten einer kritischen Marke
für Corona-Neuinfektionen berät der Kreis Esslingen am Donnerstag
über konkrete Maßnahmen gegen die weitere Verbreitung des Virus. Der
Kreis hatte am Vortag als erste Region im Südwesten mehr als 50
Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen
gezählt - und gilt damit offiziell als innerdeutscher «Hotspot». Die

sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz lag bei 52,3. Damit gehen schärfere
Maßnahmen zum Infektionsschutz einher - welche genau der Landkreis
nun ergreift, blieb zunächst offen.

Bereits am Montag hatte der Kreis private Feiern und Zusammenkünfte
eingeschränkt, nachdem die Vorwarnstufe von mehr als 35
Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben
Tagen überschritten worden war. Auch Stuttgart (38,4), Mannheim
(37,3) und der Stadtkreis Heilbronn (35,5) liegen inzwischen über der
kritischen Marke von 35 Neuinfektionen. Rathäuser und Landratsämter
sind deshalb zu neuen Einschränkungen gezwungen.

Mit der Verschärfung folgen die Kreise und Kommunen der Empfehlung
der Bund-Länder-Kommission von Ende September, die insbesondere der
Verbreitung von Infektionen im Rahmen von Feierlichkeiten im
Familien- und Freundeskreis vorbeugen soll. Bei mehr als 50 Fällen
pro 100 000 Einwohner können in betroffenen Gegenden Ausgangs- und
Kontaktbeschränkungen verschärft werden.

Die Zahl der nachgewiesenen Coronavirus-Infektionen im ganzem Land
stieg am Mittwoch im Vergleich zum Vortag um 652 Fälle. Insgesamt
haben sich nun 52 222 Menschen nachweislich mit dem Erreger
Sars-CoV-2 angesteckt, wie das Landesgesundheitsamt mitteilte. Die
Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus stieg um vier auf
1898.

Am Dienstag hatte die Landesregierung wegen der steigenden
Infektionszahlen die zweite von drei möglichen Corona-Warnstufen
ausgerufen. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sprach von
einer Habt-Acht-Stufe. Die Pandemiestufe zwei gilt, wenn die
landesweite «Sieben-Tage-Inzidenz» von zehn Fällen je 100 000
Einwohner überschritten wird und zusätzlich das Infektionsgeschehen
diffus steigt oder sich die landesweiten wöchentlichen Fallzahlen
innerhalb von zwei Wochen verdoppeln.