Corona-Fälle bei Caterer in Oberbayern: Weitere Tests in Unterkunft

02.07.2020 12:39

Gut fünf Monate nach den bundesweit ersten Corona-Fällen im Landkreis
Starnberg beschäftigt ein neuer Ausbruch die dortigen Behörden.
Dieses Mal ist der Standort eines Cateringunternehmens betroffen.

Starnberg (dpa/lby) - Nach dem Corona-Ausbruch bei einem
Cateringunternehmen im Landkreis Starnberg arbeiten die Behörden mit
Hochdruck daran, eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. Am
Mittwoch sollten unter anderem sämtliche Bewohner einer
Flüchtlingsunterkunft in Pöcking auf das Virus getestet werden,
nachdem es dort einen positiven Fall gegeben hatte. Zudem wurde eine
weitere Asylunterkunft unter Quarantäne gestellt - die mittlerweile
Fünfte.

Es handle sich um die Asyl-Gemeinschaftsunterkunft in Weßling, teilte
das Landratsamt am Abend mit. Ein Bewohner, der bei dem Caterer
arbeitet, sei positiv auf Corona getestet worden. In den fünf
Asylunterkünften, die unter Quarantäne stehen, gibt es unterdessen
sechs bestätigte Corona-Fälle. Der erste Corona-Fall war in einer
Unterkunft in Hechendorf aufgefallen.

Nach Angaben des Landratsamtes wird auch eine Gemeinschaftsunterkunft
im Herrschinger Ortsteil Breitbrunn durchgetestet. Die Bewohner
hätten sehr engen Kontakt mit Bewohnern einer weiteren Herrschinger
Unterkunft gehabt, wo schon getestet wurde und ein positiver Fall
aufgefallen war.

Eine ganze Reihe der insgesamt rund 120 Mitarbeiter des Caterers
Apetito im oberbayerischen Gilching waren einer Sprecherin des
Landratsamtes zufolge in Flüchtlingsunterkünften untergebracht. Sie
seien vorsorglich nach München in eine Isoliereinrichtung gebracht
worden, um dort getestet zu werden. Bis Mittwochabend ergaben die
Reihentestungen insgesamt 46 positive Fälle.

Landrat Stefan Frey (CSU) sagte am Mittwoch: «Wir werden die Umstände
der Ausbreitung des Virus, die ja doch mittlerweile bei nahe 50
Prozent der Mitarbeiter liegt, aufklären. Die Firma muss darlegen, ob
die Arbeitsbedingungen dem Hygienekonzept entsprochen haben.» Bislang
seien insgesamt 34 Landkreisbewohner positiv getestet. Das entspreche
binnen sieben Tagen 24 Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner; also
noch deutlich unter dem kritischen Wert, ab dem Maßnahmen zur
Eindämmung der Pandemie zum Zuge kommen.

Die Kontaktpersonenermittlung laufe weiter auf Hochtouren, hieß es
vom Landratsamt. Dabei würden auch sämtliche Zulieferer,
Reinigungsfirmen, Techniker, Kühlunternehmen und dergleichen unter
die Lupe genommen.

Das Unternehmen Apetito untersucht ebenfalls die Ursache des
Ausbruchs. Das Verteilerzentrum in Gilching diente ausschließlich der
Belieferung des LMU-Klinikums Großhadern und des Innenstadt-Campus.
Über einen alternativen Plan werde die Versorgung der Patienten und
Mitarbeiter sichergestellt, so das Unternehmen. Eine Verbreitung des
Virus über die Mahlzeiten halten Unternehmen, Behörden und LMU
Klinikum für so gut wie ausgeschlossen.

«Die bei dem Speisenlieferanten geltenden Hygienevorschriften bei der
Portionierung der Speisen machen es extrem unwahrscheinlich, dass es
zu einer Kontamination der Speisen mit Viren gekommen ist», teilte
eine Sprecherin des Klinikums mit. «Selbst wenn dem so wäre, ist es
wiederum sehr unwahrscheinlich, dass es dadurch zu einer Infektion
von Patienten oder Mitarbeitern gekommen sein könnte.»

Beim Landratsamt meldeten sich auch Ehrenamtliche der Helferkreise.
Wer zu einem der Infizierten Kontakt gehabt habe oder grundsätzlich
besorgt sei, könne ebenfalls getestet werden, sagte die Sprecherin.
Jedoch gebe es keinen Anlass zu Befürchtungen. «Alle sind immer sehr
vorsichtig vorgegangen.»

Im Landkreis Starnberg waren im Februar die bundesweit ersten
Corona-Fälle aufgetreten. Eine chinesische Mitarbeiterin hatte das
Virus beim Autozulieferer Webasto eingeschleppt. Die Infektionsketten
konnten damals erfolgreich unterbrochen werden - der Betrieb blieb
für zwei Wochen geschlossen, alle Kontaktpersonen mussten in
Quarantäne.

Die Apetito Unternehmensgruppe, zu der auch der von einem
Corona-Ausbruch betroffene Standort im Landkreis Starnberg gehört,
liefert jeden Tag Essen für rund 1,3 Millionen Menschen in acht
Ländern. Unter anderem gehören Schulen, Kitas, Krankenhäuser,
Senioreneinrichtungen und Unternehmen zu den Kunden des Unternehmens
aus Rheine in Nordrhein-Westfalen. Auch Essen auf Rädern hat Apetito
im Programm. Hinzu kommt noch Tiefkühlkost für den Handel.