Corona-Ausbruch bei Tönnies hat Folgen bis nach Bayern

27.06.2020 05:30

München/Kempten/Bamberg (dpa) - Der Corona-Ausbruch beim
Fleischverarbeiter Tönnies in Nordrhein-Westfalen macht auch
bayerischen Bauern Sorgen. Vor allem der vorübergehende Stopp von
Schlachtungen in den Tönnies-Standorten Kempten und Bamberg macht
sich bemerkbar und führt zu einer Kettenreaktion, die bis zu den
Kälberzüchtern durchschlägt. «Die Bullen gehen zögerlicher aus de
n
Ställen, der ganze Markt ist dadurch irgendwo gebremst», sagte der
Geschäftsführer der Allgäuer Herdebuchgesellschaft, Thomas Bechteler.

Dadurch sei auch die Nachfrage nach Kälbern zur Mast im Moment
eingeschränkt. Bei einem Unternehmen wie Tönnies, das enorme Mengen
schlachte, habe das von einer Woche auf die andere Auswirkungen.

Im Allgäu gehört der Tönnies-Standort Kempten zu den wichtigen
Betrieben. «Wir schlachten normalerweise ein Viertel unserer Rinder
dort», sagte der Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft
Schlachtvieh Allgäu, Berthold Kirchmaier. Doch bisher lässt sich das
Problem für die 5000 Betriebe der Gemeinschaft lösen: «Die Tiere
bringen wir stattdessen nach Buchloe», so Kirchmaier. Dort werde
ohnehin der überwiegende Anteil der im Schnitt 600 bis 700 Rinder pro
Woche geschlachtet. Beim Betrieb der Firma Vion Deutschland heißt es,
man übernehme zusätzliche Schlachtungen «im Rahmen des Möglichen»
.

Nun kommt es also darauf an, wann die Schlachthöfe wieder öffnen. Bei
Tönnies war dazu zunächst niemand zu erreichen. «Ein Problem ist es
dann, wenn die Situation länger so bleibt», sagte ein Sprecher des
bayerischen Bauernverbands. Auch er betonte aber: «Auf ein paar Tage
hin oder her ist man nicht angewiesen.» Zudem verweist auch der
Sprecher auf die Möglichkeit, die Tiere zu anderen Schlachthöfen zu
bringen. «Da gibt es schon noch Kapazitäten.»

Ein Grund dafür, dass ein Corona-Ausbruch in Nordrhein-Westfalen
Schockwellen bis nach Bayern schicken kann, sind die Strukturen mit
immer größeren Schlachtbetrieben. Diese seien über Jahrzehnte
gewachsen, auch durch striktere Standards, wie Bechteler von der
Herdebuchgesellschaft sagte. Viele kleine Betriebe hätten
geschlossen. «Wenn man das heute wieder aufbauen will, braucht man
enorme Investitionen», betonte er. «Wir beobachten zwar eine Tendenz
der Betriebe in Richtung regionale Vermarktung», aber noch existiere
das «im Kopf mehr als in der Realität».