IG Metall sieht wegen Corona «Hunderttausende Stellen in Gefahr»

21.06.2020 10:02

Frankfurt/Main (dpa) - Die IG Metall sieht wegen den Folgen der
Corona-Pandemie «Hunderttausende Stellen» bedroht und fordert ein
sofortiges Gegensteuern der Politik. Allein aufgrund von Insolvenzen
seien «150 000 Arbeitsplätze akut bedroht, wenn nicht schnell
sichtbar konjunkturelle Impulse gesetzt werden», sagte
Gewerkschaftschef Jörg Hofmann der «Westdeutschen Allgemeinen
Zeitung» (Samstag).

«Die Metall- und Elektroindustrie sowie der Stahl befinden sich noch
im Abwärtsstrudel. In Branchen wie dem Maschinenbau und dem
Anlagenbau schlagen die Auftragseinbrüche erst jetzt richtig durch,
über 20 Prozent der Betriebe haben erst im Mai oder Juni mit
Kurzarbeit begonnen», sagte Hofmann. Allein in der Metall- und
Elektroindustrie seien mehr als zwei Million Beschäftigte in
Kurzarbeit. Einer bundesweiten Betriebsumfrage der IG Metall zufolge
gebe es in sieben von zehn Betrieben Kurzarbeit, so die «WAZ».

Hofmann kritisierte, dass nur rund ein Viertel des 130 Milliarden
Euro schweren Hilfsprogramms der Bundesregierung auf die kurzfristige
Belebung der Konjunktur ziele. Offen sei zudem, welchen Nutzen die
Senkung der Mehrwertsteuer habe. «Das ist eher eine Schrotflinte.
Restaurants werden sie nutzen, um mehr zu verdienen statt die Preise
zu senken - was in ihrer Situation nachvollziehbar ist, aber den
Konsum nicht steigert», sagte Hofmann. «Und die Autohersteller werden
damit vor allem SUV und großräumige Fahrzeuge bewerben, weil sie die
größten Gewinnmargen bringen.» Hofmann betonte, er hätte sich
«zielgenauere Impulse wie die Umweltprämie gewünscht».

Der IG-Metall-Chef hatte die SPD-Spitze scharf dafür kritisiert, dass
sie die Umweltprämie für die Autobranche in den Verhandlungen mit der
Union verhindert hat. Die Mehrwertsteuersenkung fördere nun «vor
allem Autos der höheren Preisklasse, egal, was aus dem Auspuff kommt.
Das soll klimafreundlicher sein?», sagte Hofmann. Eine
«konditionierte Prämie» hätte dagegen vor allem den Absatz kleinere
r,
sparsamer Wagen angeschoben.