Coronavirus vertreibt große Aussteller von der Mobilfunk-Messe MWC Von Christoph Dernbach, dpa

10.02.2020 11:53

Barcelona ist von der chinesischen Coronavirus-Krisenprovinz Hubei
weit entfernt. Doch der Ausbruch der Krankheit zieht nun auch die
weltweit führende Mobilfunkmesse MWC in Mitleidenschaft.

Barcelona (dpa) - Die weltweit führende Mobilfunkmesse Mobile World
Congress (MWC) in Barcelona droht wegen des Coronavirus zu einer
Geisterveranstaltung zu werden. Mit Amazon und Sony sagten zwei
weitere Großunternehmen ihre Teilnahme ab. «Da wir größten Wert auf

die Sicherheit und das Wohlbefinden unserer Kunden, Partner, Medien
und Mitarbeiter legen, haben wir die schwierige Entscheidung
getroffen, uns von der Ausstellung und Teilnahme am MWC 2020
zurückzuziehen», erklärte Sony am Montag. Ähnlich begründete auch

Amazon sein Fernbleiben.

Zuvor hatten bereits der schwedische Telekomausrüster Ericsson, der
südkoreanische Elektronikkonzern LG und der Chiphersteller Nvidia
ihre Teilnahme am MWC abgesagt. Man folge der Empfehlung vieler
Gesundheitsexperten, im Moment auf unnötige internationale Reisen zu
verzichten, hieß es bei LG zur Begründung.

Andere Aussteller wie die chinesischen Konzerne Huawei, ZTE und
Lenovo sowie der südkoreanische Elektronikgigant Samsung stehen noch
zu ihren Auftritten in Barcelona. Sie haben aber Vorsichtsmaßnahmen
ergriffen und schicken beispielsweise Mitarbeiter aus China schon 14
Tage vorab nach Europa, um somit zu verhindern, dass infizierte
Personen auf der Messe auftreten. Samsung will weniger Personal nach
Barcelona entsenden. ZTE sagte die Pressekonferenz ab und will nun
stattdessen die Neuheiten am Messestand präsentieren.

Sony weicht jetzt auf das Internet aus. Statt der geplanten
Pressekonferenz am 24. Februar will sich der japanische Konzern auf
seinem Youtube-Kanal direkt an die potenziellen Käufer wenden und
dort seine Produktneuheiten vorstellen.

Für den MWC-Veranstalter GSMA ist das ein gefährliches Experiment.
Sollten Firmen wie Sony die Erfahrung machen, dass sie über Youtube
eine ähnlich große Reichweite erzielen wie mit einem teueren
Messeauftritt, könnte das die Zukunft des Mobile World Congress in
Frage stellen. Der MWC gilt als die weltweit wichtigste Veranstaltung
der Mobilfunkbranche und ist in den vergangenen Jahren stetig
gewachsen. Die GSMA erwartete zu der Messe in diesem Jahr mehr als
100 000 Besucher und mehr als 2800 Aussteller.

Die GSMA versucht nun, keine Panik unter Ausstellern und
Messebesuchern aufkommen zu lasen. In einer E-Mail an die
registrierten Besucher schrieb der Verband, er sei den chinesischen
Ausstellern wie Huawei und ZTE dankbar, dass sie vorbeugende
Maßnahmen ergriffen hätten. Die GSMA und die katalanischen Behörden
verlassen sich aber nicht nur auf freiwillige Schritte der Aussteller
und Messebesucher. So werde allen Reisenden aus der chinesischen
Krisenprovinz Hubei der Zugang zum MWC verwehrt, heißt es in der
E-Mail. Personen, die sich in China aufgehalten haben, müssten den
Nachweis erbringen, dass sie das Land vor mindestens 14 Tagen
verlassen haben.

Darüber hinaus will die GSMA mit zusätzlichen Hygienemaßnahmen
Vertrauen schaffen: So sollen Cateringbereichen, Handläufe,
Toiletten, Ein- und Ausgänge sowie öffentliche
Touchscreen-Bildschirme verstärkt gereinigt und desinfiziert werden.
Der Leiter des Dienstes für Präventivmedizin und Epidemiologie des
Krankenhauses Clínic de Barcelona, Antoni Trilla, betonte: «Wir
befinden uns nicht in einer Ausnahmesituation und unser
Gesundheitssystem ist bereit».