Radon - Die unterschätzte Gefahr aus dem Boden Von Susanne Kupke, dpa

02.02.2020 05:25

Rauchen verursacht Krebs. Radon auch. Vor allem im Keller kann das
radioaktive Gas zur Gefahr werden. Doch davon wissen nur wenige. Nun
sind die Länder in der Pflicht. Es geht um Aufklärung und Vorsorge.

Karlsruhe (dpa) - Es riecht nicht, schmeckt nicht und ist
unsichtbar: Radon. Weil das radioaktive Edelgas Lungenkrebs
verursachen kann, verpflichtet das Strahlenschutzgesetz die Länder,
bis Ende des Jahres Gebiete auszuweisen, wo eine erhöhte
Radon-Konzentration messbar ist. «Radon wird ein sehr wichtiges Thema
in diesem Jahr», betont ein Sprecher des baden-württembergischen
Umweltministeriums. Firmen und öffentliche Gebäude sind dann in der
Pflicht. Privatleute nicht. Doch auch sie sollten sich informieren.
Radon ist nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) noch
immer eine unterschätzte Gefahr.

Was hat es mit Radon auf sich?

Das radioaktive Gas, das ständig aus dem Boden nach oben steigt,
entsteht durch den Zerfall von Uran tief unten im Erdreich. Gelangt
es im Freien ungehindert weiter in die Luft, richtet es keinen
Schaden an. Problematisch kann es werden, wenn das Gas über Risse,
Rohre und Öffnungen in Gebäude dringt. «Ein Unterdruck kann den
Radon-Eintritt noch verstärken», sagt Ingo Fesenbeck, der Leiter des
Radonlabors am Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).

Wie gefährlich ist das Gas aus dem Untergrund?

Radon als Strahlenquelle ist nach einer Studie des Bundesamtes für
Strahlenschutz (BfS) den meisten Deutschen nicht bekannt. Dabei ist
es demnach die größte Quelle für die durchschnittliche jährliche
Strahlenbelastung - und nach dem Rauchen die zweithäufigste Ursache
für Lungenkrebs.

Wo ist die Belastung am höchsten?

Radon ist im Untergrund nicht gleichmäßig verteilt. Sein Vorkommen
ist abhängig von Geologie und Bodenbeschaffenheit. In der
norddeutschen Tiefebene sind die Konzentrationen niedriger als in
Mittelgebirgen mit Granit- und Schiefergesteinen. So gibt es nach
Angaben der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) höhere

Radonmengen etwa im Südschwarzwald und auf der Schwäbischen Alb.

Wo lauert Gefahr?

Das BfS informiert auf Karten über regional durchschnittliche
Konzentrationen. Doch, so betont die Behörde: Wie viel Radon in
Häusern tatsächlich ist, können nur einzelne Messungen klären. «I
n
einem gut abgedichteten Gebäude im Schwarzwald kann eine geringere
Radon-Konzentration sein als in einem älteren Haus mit mehr
Eintrittsstellen über einem an sich weniger radonhaltigen Boden»,
sagt KIT-Experte Fesenbeck. Vor allem Keller sind potenzielle
Radon-Speicher.

Ab wann muss gehandelt werden?

Nach dem Strahlenschutzgesetz müssen ab einem Wert von 300 Becquerel
Radon pro Kubikmeter Luft in Innenräumen Maßnahmen ergriffen werden,
um die Exposition zu verringern. Doch dieser «Referenzwert» ist keine
Versicherung dafür, dass Werte darunter ungefährlich sind. «Es gibt
keinen Schwellenwert, ab dem Radon schädlich ist», sagt Radon-Experte
Fesenbeck. «Je höher die Konzentration und je länger man dem
ausgesetzt ist, desto höher ist aber das Risiko, an Lungenkrebs zu
erkranken.» Eindeutig zu hoch waren die 2000 Becquerel Radon pro
Kubikmeter Luft, die in Räumen eines Kindergartens im südbadischen
Lörrach gemessen wurden. Er wurde im Februar 2018 geschlossen. In
anderen Kitas und Schulen der Stadt reichte der Einbau von
Lüftungsanlagen aus. Hohe Radonkonzentrationen kann es generell in
Bergwerken und Wasseraufarbeitungsanlagen geben.

Was tun, wenn Zuhause die Werte zu hoch sind?

«Radon ist ein Gesundheitsrisiko, gegen das man selbst vorgehen
kann», betont BfS-Präsidentin Inge Paulini. Als erstes hilft
regelmäßig lüften. Risse und und Öffnungen in Keller und Erdgeschos
s
sollte man abdichten lassen und einen möglichen Unterdruck
beseitigen. Auch ein Radon-Brunnen, der radonhaltige Luft unter dem
Gebäude absaugt, oder Dränagesysteme können helfen.

Kann man überhaupt noch im Keller schlafen?

«Natürlich, aber je nach Gebäude empfehle ich eine Messung», sagt
KIT-Experte Fesenbeck. Besonders in einem energetisch sanierten Haus.
«Denn wenn der Luftwechsel etwa durch neue Fenster minimiert wurde
und aus dem Boden weiter Radon in das Haus strömt, kann das einen
ähnlichen Effekt haben, wie bei einer Käseglocke.»