Keine Landegenehmigung in Moskau für deutsche China-Rückkehrer

01.02.2020 15:08

Wegen der neuen Lungenkrankheit holt die Bundeswehr Bundesbürger aus
China zurück - doch der Rückflug verzögert sich: Der Flieger darf i
n
Moskau nicht zwischenlanden - was bei der Union Kritik auslöst. An
Bord sind laut Gesundheitsminister Spahn nur gesunde Passagiere.

Bonn/Berlin/Moskau (dpa) - Das Bundeswehrflugzeug mit Rückkehrern aus
China an Bord hat am Samstag nicht wie ursprünglich geplant in Moskau
zwischenlanden dürfen. Stattdessen sei der Flieger nach Helsinki
umgeleitet worden, um die Crew auszutauschen und zu tanken, sagte
Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) am Samstag
in Bonn. «Wir haben die Überfluggenehmigung gehabt und auch die
Landegenehmigung war in Aussicht gestellt. Das hat sich jetzt anders
entwickelt.»

Es sei dann zunächst wichtig gewesen, dass in Helsinki aufgetankt und
die Crew ausgewechselt werden konnte, sagte Kramp-Karrenbauer. «Was
jetzt neben der offiziellen Erklärung von mangelnden Kapazitäten am
Flughafen in Moskau die Gründe sind, das werden wir sicherlich in der
nächsten Woche gemeinsam dann noch mit dem Auswärtigen Amt
besprechen.»

Die Maschine mit deutschen Staatsbürgern und Familienangehörigen an
Bord war in der Nacht in der besonders vom Ausbruch des neuen
Coronavirus betroffenen Stadt Wuhan gestartet. Sie sollte am
Nachmittag in Frankfurt/Main ankommen.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte in Bonn, die Menschen im
Flieger seien alle symptomfrei. «Es kehren Gesunde zu uns nach
Deutschland zurück.» Zum Schutz der Betroffenen und der Bevölkerung
sei es aber wichtig, dass sichergestellt werde, dass sich niemand
infiziert habe. Es gebe eine Inkubationszeit von bis zu zwei Wochen,
in der noch keine Symptome auftreten, aber möglicherweise eine
Infektion vorliegen könne. Deshalb sei es notwendig, die Rückkehrer
für zwei Wochen in Quarantäne unterzubringen.

In dem Flugzeug befänden sich insgesamt 128 Passagiere, sagte der
Parlamentarische Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium,
Thomas Gebhart (CDU). Es handele sich um 102 deutsche Staatsbürger,
die anderen 26 stünden mit ihnen in familiärer Verbindung.

Warum Russland die Zwischenlandung verweigerte, war zunächst
offiziell nicht bekannt. Hintergrund könnte sein, dass die Regierung
in Moskau zuvor die Sicherheitsregeln verschärft hatte. Der reguläre
Flugverkehr zwischen Russland und China wurde zu großen Teilen
eingestellt. Ankommende Flieger aus China durften an Russlands
größten Flughafen Scheremetjewo nur noch an einem Terminal ankommen.
Zudem wies Kremlchef Wladimir Putin das russische Militär an, ab
Samstag russische Staatsbürger aus Wuhan auszufliegen. Nach Angaben
der Agentur Tass leben in der Region Wuhan rund 300 Russen.

Unions-Fraktionsvize Johann Wadephul kritisierte die von Moskau nicht
erteilte Landegenehmigung scharf. Der CDU-Politiker sagte der
Deutschen Presse-Agentur am Samstag: «Das war ein unfreundlicher Akt,
der sich nicht wiederholen sollte. Zivilisierte Staaten sollten in
humanitären Notlagen zusammenarbeiten. Russland war offenbar die
Abweisung einer deutschen Militärmasche wichtiger als die
Bereitschaft zur Hilfeleistung in Not geratener Menschen. Das spricht
Bände.» Wadephul ist in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zuständig fü
r
Außen- und Verteidigungspolitik.

Nach der Ankunft am Frankfurter Flughafen sollen die Menschen von
Medizinern begutachtet und befragt werden. Sollte jemand Symptome
zeigen, werde er in die Frankfurter Universitätsklinik in eine
Isolierstation gebracht. Danach sollen die Rückkehrer zu einem
Luftwaffenstützpunkt im rheinland-pfälzischen Germersheim gebracht
werden, wo sie für zwei Wochen in Quarantäne bleiben müssen.

In Deutschland gibt es bisher sieben bestätigte Infektionsfälle. «Sie

sind momentan alle in sehr gutem gesundheitlichem Zustand», betonte
Spahn. Deshalb solle die Bevölkerung «zwar mit Wachsamkeit, aber auch
mit der nötigen Gelassenheit» mit dem Thema Coronavirus umgehen,
sagte Spahn in Hinblick auf die Angehörigen der Infizierten in
Bayern, die nun teilweise von ihrer Umgebung gemieden würden. «Was
mir am meisten Sorgen macht, sind die Verschwörungstheorien aller
Art, die zurzeit in sozialen Medien verbreitet werden und die nur ein
Ziel haben: Unsicherheit zu verbreiten.»