Zahl verletzter E-Zigaretten-Raucher steigt auf mehr als 500

20.09.2019 12:22

Die E-Zigarette boomt. Nicht nur in den USA, auch in Deutschland.
Eigentlich gilt sie als gesündere Alternative zur klassischen Kippe.
Mysteriöse Krankheitsfälle und neue Studien werfen Zweifel auf.

New York (dpa) - In den USA sind inzwischen 530 Fälle von
Lungenverletzungen nach dem Gebrauch von E-Zigaretten erfasst. Die
Ursache sei weiter nicht bekannt, es werde zusammen mit anderen
Behörden über mehrere Bundesstaaten hinweg ermittelt, teilte die
US-Gesundheitsbehörde CDC am Donnerstag (Ortszeit) mit. Sechs
Todesfälle wurden bislang gemeldet, die offenbar auf die Nutzung von
E-Zigaretten zurückgehen. Die US-Behörden warnten erneut alle Nutzer
vor dem Gebrauch.

In Deutschland und auch europaweit ist bislang kein ähnlicher Anstieg
solcher Fälle bekannt. Die Beschwerden scheinen sich auf Benutzer in
den Vereinigten Staaten zu beschränken. Die Betroffenen dort rauchten
in den meisten Fällen THC oder THC zusammen mit Nikotin. THC steht
für Tetrahydrocannabinol. Die Substanz steckt in Cannabis und ist
hauptsächlich für die berauschende Wirkung der Droge verantwortlich.
Über 373 der Verletzten liegen genauere Daten vor, wie CDC-Chef
Robert Redfield sagte. Rund 67 Prozent von ihnen seien zwischen 18
und 34 Jahre alt, 16 Prozent seien jünger als 18. Etwa drei von vier
sind demnach männlich.

In den USA stehen die Geräte inzwischen auch wegen einer kürzlich
veröffentlichten Studie unter Druck: In E-Zigaretten und Kautabak
hatten Wissenschaftler einen möglicherweise krebserregenden
Geschmacksstoff «in besorgniserregend hoher Konzentration» entdeckt.

Der Stoff namens Pulegon sei in Produkten mit Minz- und
Mentholgeschmack enthalten, berichteten Wissenschaftler im
Fachjournal «Jama Internal Medicine».

Ausgefallene Geschmacksrichtungen für E-Zigaretten sollen nach dem
Willen der US-Regierung in den Vereinigten Staaten verboten werden.
Präsident Donald Trump hatte in der vergangenen Woche «sehr strenge»

Vorschriften für Hersteller angekündigt und die Nutzung von
E-Zigaretten als «großes Problem» bezeichnet.

Einer aktuell im Fachjournal «Scientific Reports» veröffentlichten
Studie zufolge können E-Zigaretten möglicherweise auch Krankheiten
wie Asthma verschlimmern. «Die Mehrheit der E-Zigaretten-Raucher
benutzt Flüssigkeiten mit Geschmack, aber es gibt Hinweise, dass
aromatisierende Zusatzstoffe beim Einatmen giftig wirken können»,
erklärte Studienautor David Chapman von der Technischen Universität
Sydney. Inwieweit die Ergebnisse auch für den deutschen Markt gelten,
ist unklar.

E-Zigaretten sind in den USA deutlich weniger beschränkt als in
Deutschland. Einige Bereiche sind kaum reguliert, andere von
Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden. Zum Beispiel gibt es keine
einheitliche Obergrenze beim Nikotingehalt. In den USA kann man
Produkte mit doppelt bis dreimal so viel Nikotin wie in Deutschland
kaufen. THC in den Geräten ist in Deutschland verboten, die Substanz
fällt unter das Betäubungsmittelgesetz.

Aber auch in der Bundesrepublik kann das Rauchen von E-Zigaretten
unter Umständen krebserregend sein, wie das Deutsche
Krebsforschungszentrum (DKFZ) schreibt. «Im Vergleich zu
Tabakzigaretten sind E-Zigaretten zwar sehr wahrscheinlich deutlich
weniger schädlich, dennoch sind sie keine harmlosen
Life-Style-Produkte», hält das DKFZ in einem Faktenpapier fest.

E-Zigaretten boomen - auch in Deutschland. Der Umsatz bei E-Zigarette
und Co. liege in diesem Jahr bei schätzungsweise 600 bis 650
Millionen Euro, sagte Michal Dobrajc, Verbandschef des
E-Zigarettenhandels. Das seien bis zu 25 Prozent mehr als noch ein
Jahr zuvor. Die Zahlen beziehen sich auf Firmenumfragen und
Hochrechnungen, in den vergangenen Jahren war das Plus ähnlich hoch.
Zumindest bislang ist der Umsatz mit klassischen Tabakwaren aber etwa
noch 40 Mal so hoch.

Rigoros handelte gerade erst die indische Regierung: Sie verbot
Verkauf, Produktion, Import und Bewerbung von E-Zigaretten.
E-Zigaretten stellten besonders für junge Menschen zunehmend ein
Gesundheitsrisiko dar, erklärte die indische Finanzministerin Nirmala
Sitharaman. Mehrere Bauernvereinigungen in Indien hatten ein Verbot
von E-Zigaretten gefordert. Indien ist eines der größten
Produktionsländern von Tabak. Den brauchen E-Zigaretten in aller
Regel nicht.