Ein möglicherweise krebserregender Stoff in US-E-Zigaretten entdeckt

17.09.2019 16:37

Nach Todes- und Krankheitsfällen reißt die Diskussion um E-Zigaretten
in den USA nicht ab. Jetzt haben Wissenschaftler einen möglicherweise
krebserregenden Geschmacksstoff in einigen Produkten entdeckt. Könnte
der Stoff auch in E-Zigaretten auf dem deutschen Markt stecken?

New York (dpa) - In E-Zigaretten und Kautabak in den USA haben
Wissenschaftler einen möglicherweise krebserregenden Geschmacksstoff
«in besorgniserregend hoher Konzentration» entdeckt. Der Stoff namens

Pulegon sei in Produkten mit Minz- und Mentholgeschmack enthalten,
berichteten die Wissenschaftler um Sven-Eric Jordt von der Duke
Universität (Bundesstaat North Carolina) im Fachjournal «Jama
Internal Medicine». Als Geschmackszusatzstoff in Lebensmitteln habe
die zuständige US-Behörde Pulegon bereits im vergangenen Jahr
verboten, für E-Zigaretten und Kautabak sei die Chemikalie jedoch
nicht reguliert.

Gemeinsam mit Kollegen untersuchte Jordt mehrere Marken von
Menthol-Zigaretten, drei E-Zigaretten-Marken und eine
Kauatabak-Marke, die alle Pulegon enthalten. Sowohl bei den
E-Zigaretten als auch beim Kaubatak war die Konzentration
«besorgniserregend», bei den Menthol-Zigaretten lag sie unter dem
Schwellenwert.

Es sei allerdings nicht ganz klar, wie sich die Aufnahme von Pulegon
unterscheide, wenn es nicht geraucht, sondern per E-Zigarette
aufgenommen werde, hieß es von den Wissenschaftlern. Sie forderten
die US-Regulierungsbehörde FDA auf, Maßnahmen zu ergreifen, um das
Risiko der Pulegon-Aussetzung zu mindern.

In Deutschland habe der Gesetzgeber den Stoff bereits bei der
Regulierung von E-Zigaretten indirekt berücksichtigt, teilte Michal
Dobrajc vom Verband des eZigarettenhandels auf Anfrage mit. Auf einer
Liste von Inhaltsstoffen, die in E-Zigaretten ausdrücklich verboten
sind, sei Pulegon zwar nicht namentlich aufgeführt. Wohl aber
verarbeitete Bestandteile, Extrakte und Öle, die aus der Pflanze
Poleyminze stammen. Das ätherische Öl der Poleyminze bestehe aus bis
zu 94 Prozent Pulegon und wurde vom Gesetzgeber daher auch
ausdrücklich als Inhaltsstoff verboten, schreibt Dobrajc. «Wir gehen
davon aus, dass sich alle Marktteilnehmer an die gesetzlichen
Vorgaben halten.»

Nach mehreren Todes- und vielen Krankheitsfällen - es geht um
ungeklärte Lungenerkrankungen - in Zusammenhang mit E-Zigaretten war
in den USA zuletzt eine Diskussion entbrannt. Ausgefallene
Geschmacksrichtungen für E-Zigaretten sollen nach dem Willen der
US-Regierung in den Vereinigten Staaten nun verboten werden.

Präsident Donald Trump hatte in der vergangenen Woche «sehr strenge»

Vorschriften für Hersteller angekündigt und die Nutzung von
E-Zigaretten als «großes Problem» bezeichnet. In Deutschland oder
Europa ist allerdings bislang kein ähnlicher Anstieg solcher
spezieller Krankheitsfälle bekannt. Die Beschwerden scheinen sich auf
Benutzer von E-Zigaretten in den Vereinigten Staaten zu beschränken.