Bäderverband: Nachholbedarf bei Angeboten für Gesundheitstouristen

09.09.2019 05:32

Kur in Thüringen - das ist nicht nur die Klinik-Reha nach Krebs,
Herzinfarkt oder Hüft-OP. Mit Gesundheitstourismus wollen die Kurorte
auch ein anderes Gästeklientel ansprechen.

Bad Frankenhausen (dpa/th) - Die Kurorte im Freistaat haben nach
Einschätzung des Thüringer Heilbäderverbandes Nachholbedarf bei
touristischen Angeboten jenseits der klassischen medizinischen
Rehabilitation. «Da sind wir noch nicht ausreichend dabei», sagte die
Verbandsgeschäftsführerin Dorit Frank vor dem zweiten Thüringer
Gesundheitstourismustag am Montag in Bad Frankenhausen
(Kyffhäuserkreis) der Deutschen Presse-Agentur.

Nötig seien gut vermarktbare Servicepakete aus Übernachtungen,
Behandlung und Freizeitangeboten für gesundheitsbewusste und aktive
Gäste. Der Verband vertritt 18 anerkannte Kur- und Erholungsorte, die
zuletzt steigende Gäste- und Übernachtungszahlen verbuchten.

Großen Anteil daran haben die Rehabilitationskliniken, in die laut
amtlicher Statistik im vergangenen Jahr fast 77 000 Menschen kamen.
Hingegen spielen ambulante Kuren mit Unterbringung in Hotels und
Pensionen kaum eine Rolle: Ihre Zahl ging vor allem wegen der starken
Konkurrenz osteuropäischer Kurbäder von 1600 im Jahr 2010 auf gut 600
im vergangenen Jahr zurück. Deshalb müsse der Blick stärker auf
Urlauber gerichtet werden, die Geld für Gesundheitsangebote ausgeben,
so Frank.

Als Beispiel für Orte, in denen es bereits maßgeschneiderte Angebote
für diese Zielgruppe gibt, nannte Frank Bad Salzungen
(Wartburgkreis). Dort sei ein Konzept für Gäste mit chronischen
Lungenerkrankungen entwickelt worden, das sich an Selbstzahler
richtet. «Wir könnten uns zum Beispiel vorstellen, dass sich auch
andere Solebäder stärker spezialisieren, zum Beispiel auf Urlauber
mit Hautproblemen», sagte Frank. Sole gehört wie Moor oder Schwefel
zu den natürlichen Heilmitteln, mit denen in den Kurorten
verschiedene Krankheiten behandelt werden können.

Auch nach Auffassung des Thüringer Wirtschaftsministeriums schöpft
der Gesundheitstourismus im Freistaat seine Potenziale noch nicht
aus. Ziel müsse es sein, den Kurtourismus wieder zu einem Leitprodukt
für die hiesige Tourismusbranche zu entwickeln. In einer Studie will
das Ministerium in Kürze die Situation in den Kurorten untersuchen
lassen und Empfehlungen ableiten.

In Thüringen wird jede dritte der jährlich rund neun Millionen
Gästeübernachtungen in einem Kurort gebucht, überwiegend in
Reha-Kliniken. Kur- und Gesundheitseinrichtungen, Gastronomie,
Handel, Hotels, Pensionen und sonstige Dienstleistungsbetriebe in
diesen Orten beschäftigen laut Ministerium schätzungsweise 12 000
Menschen.