Merkel nach neuem Zitteranfall: «Man muss sich keine Sorgen machen»

10.07.2019 17:05

Drei Zitteranfälle in gut drei Wochen - kann die Kanzlerin noch die
volle Leistung bringen? Sie selbst hat darauf eine klare Antwort.

Berlin (dpa) - Nach dem dritten Zitteranfall in gut drei Wochen
wächst die Sorge um den Gesundheitszustand von Bundeskanzlerin Angela
Merkel weiter. Beim Empfang des finnischen Ministerpräsidenten Antti
Rinne mit militärischen Ehren bebte beim Abspielen der Nationalhymnen
am Mittwoch erneut der Körper der CDU-Politikerin. Die Zitterattacke
dauerte diesmal drei Minuten. Anschließend sagte die Kanzlerin
trotzdem, es gehe ihr gut: «Man muss sich keine Sorgen machen.»
Zweifel an ihrer Arbeitsfähigkeit als Chefin der Bundesregierung wies
sie zurück: «Ansonsten bin ich ganz fest davon überzeugt, dass ich

gut leistungsfähig bin.»

Merkel begründete den Anfall damit, dass sie immer noch in der
«Verarbeitungsphase» eines Anfalls vor gut drei Wochen beim Empfang
des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sei. «Die ist
offensichtlich noch nicht ganz abgeschlossen, aber es gibt
Fortschritte. Und ich muss damit jetzt eine Weile leben», sagte
Merkel. «Ich glaube, dass es so, wie es gekommen ist, eines Tages
auch vergehen wird. Aber es ist noch nicht so weit.»

Insgesamt ist es schon der vierte öffentliche Zitteranfall Merkels.
Das erste Mal erwischte es sie in Mexiko-Stadt 2017 beim Empfang
durch den damaligen Präsidenten Enrique Peña Nieto. Auch damals
zitterten Merkel beim Abspielen der Nationalhymnen deutlich sichtbar
die Beine - bis sie zum Abschreiten der Ehrenformation losgehen
konnte.

Damals wurde Wassermangel als Erklärung genannt. So auch bei dem
Anfall, den sie Mitte Juni beim Empfang Selenskyjs vor dem Kanzleramt
bei großer Hitze erlitt. Nur neun Tage später zitterte die Kanzlerin
dann bei der Ernennung der neuen Justizministerin Christine Lambrecht
(SPD) durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Schloss
Bellevue - bei mäßigen Temperaturen.

Diesmal war nicht Wassermangel die Erklärung, sondern die
psychologischen Verarbeitung des Zitterns beim Empfang Selenskyjs.
Merkel sagte dazu auf dem G20-Gipfel in Osaka: «Ich bin überzeugt, so
wie diese Reaktion aufgetreten ist, so wird sie auch wieder
vergehen.»

Die Frage, ob sie in den vergangenen drei Wochen in ärztlicher
Behandlung war, blieb auch am Mittwoch offen. Die stellvertretende
Regierungssprecherin Ulrike Demmer beantwortete sie in der
Regierungspressekonferenz trotz mehrfacher Nachfrage nicht. Sie
wiederholte immer nur: «Der Kanzlerin geht es gut.»