Die Macht des Mondes

09.07.2019 04:00

Berlin (dpa) - Der Mond begleitet die Erde seit Milliarden von
Jahren. Als Motor der Gezeiten bewegt er das Wasser mächtiger Ozeane.
Nur logisch, dass er auch unsere Biologie und unser Verhalten
beeinflusst. Oder? Drei populäre Mondmythen auf dem Prüfstand.

SCHLAF

Bei Vollmond schläft man schlechter - das ist wohl die populärste
Annahme, wenn es um den Einfluss des Erdtrabanten auf den Menschen
geht. Eindeutige wissenschaftliche Belege dafür fehlen allerdings
bisher. 2013 hatten Schweizer Wissenschaftler nach der Analyse von
Daten aus einer Schlafstudie berichtet, dass Menschen um Vollmond
herum unter anderem etwa fünf Minuten später einschlafen und
insgesamt etwa 20 Minuten weniger schlafen. Die Datenanalyse war
rückblickend erfolgt - der Einfluss des Mondes hatte bei der Erhebung
der Daten keine Rolle gespielt. Zudem waren die Lichtverhältnisse im
Labor genau gesteuert worden. Die Forscher sahen ihre Ergebnisse
daher als «ersten verlässlichen Beweis, dass der Mondrhythmus die
Schlafstruktur des Menschen beeinflussen kann».

Andere Wissenschaftler, unter anderem vom Max-Planck-Institut für
Psychiatrie in München, konnten das Ergebnis der kleinen Studie mit
gut 30 Teilnehmern allerdings nicht bestätigen. Sie hatten ebenfalls
rückblickend Schlafdaten von mehr als 1200 Teilnehmern aus mehr als
2000 Nächten ausgewertet und keinen Zusammenhang mit dem Mondzyklus
gefunden. Sie stießen allerdings auf Hinweise darauf, dass vor allem
bei Neuanalysen älterer Daten positive Studien veröffentlicht werden,
während solche mit negativem Ergebnis in der Schublade verschwinden -
eine mögliche Erklärung dafür, dass sich die Vermutung so hartnäcki
g
hält.

Die Schlaflosigkeit in Vollmondnächten bleibt also nach vorläufigem
Ergebnis eher subjektive Wahrnehmung als wissenschaftliche
Erkenntnis.

GEBURTEN

Bei Vollmond werden mehr Babys geboren, lautet ein weiterer weit
verbreiteter Glauben zum Einfluss des Mondes auf den Menschen. Auch
für die Richtigkeit dieser Annahme kann die Wissenschaft keine
Beweise liefern. Schon vor mehr als zehn Jahren hatten Forscher der
Universität Halle-Wittenberg einen umfassenden Datensatz aus
Baden-Württemberg aus den Jahren von 1966 bis 2003 statistisch
analysiert. Bei den mehr als vier Millionen Geburten ließ sich
keinerlei Zusammenhang zum Vollmond oder irgendeiner anderen
Mondphase herstellen. Italienische Forscher fanden zwar einen
Zusammenhang zum Vollmond - aber es gab mal mehr, mal weniger
Geburten. Es sei nicht nötig, in Vollmondnächten mehr Personal
einzustellen, schreiben die Forscher lakonisch.

Eine Forscherin der südafrikanischen Stellenbosch University wertete
jüngst Geburtenregister der Jahre 1810 bis 1929 aus ländlichen
Gemeinden Spaniens aus - aus einer Zeit, in der es noch keine
elektrische Beleuchtung gab und der Einfluss des Mondes voll zum
Tragen gekommen sein könnte. Das Ergebnis auch hier: kein
Zusammenhang zwischen Geburtenzahl und Mondphase.

Für den Einfluss des Mondzyklus auf den weiblichen Zyklus gilt
übrigens Ähnliches: kein Zusammenhang statistisch nachweisbar.

VERBRECHEN

Helles Mondlicht macht aggressiv und lässt die Rate an Verbrechen
nach oben schnellen. Diese Hypothese untersuchte ein Team von
Wissenschaftlern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen 2009.
Sie setzten die Zahl von angezeigten Körperverletzungen zwischen 1999
und 2005 in Bayern in Bezug zur Mondphase - und fanden keinen
Zusammenhang. Auch US-amerikanische Forscher fanden in ihrer Studie
keine Hinweise darauf, dass der Mond die Verbrechensrate in einer
texanischen Stadt beeinflusst.

Zusammenfassend kann man sagen: Der Mond war voll - und nichts
passierte. So betitelten bereits in den 1980er Jahren drei Forscher
aus Kanada und den USA eine Überblicksstudie zum Einfluss des Mondes
auf menschliches Verhalten.