Tanz, Tüll und ein paar Tränen: Der letzte Life Ball in Wien

09.06.2019 12:46

Feiern für einen guten Zweck: Vom Ball-Thema Zirkus-Glamour
inspiriert haben in Wien Promis, Politiker und Betuchte in grandiosen
Kostümen den letzten Life Ball gefeiert. Die Show muss weitergehen,
sagt einer, der das möglich machen kann.

Wien (dpa) - In rauschenden Roben und teils gewagten Kostümen hab
en
die Wiener mit internationaler Prominenz den letzten Life Ball am
Rathaus gefeiert. Passend zum Thema Zirkusspektakel ließen sich am
Samstagabend mehrere tausend Gäste zu fantasievollen Kostümen mit
Tüll oder Federn, groteskem Make-up oder XXL-Perücken inspirieren.
«Bis ans Ende des Regenbogens» müsse an dem Abend getanzt werden,
forderte Mitgründer Gery Keszler zum Auftakt.

«Die menschliche Spezies treibt wunderbare Blüten. Sehen Sie das
Leben in all seiner Pracht», lud Tom Neuwirth die Gäste ein. Der
Künstler, der als Dragqueen Conchita Wurst 2014 für Österreich den
Eurovision Song Contest gewonnen hatte, führte als gruseliger
Zirkusdirektor durch den Abend. Die «Rocky Horror Picture Show» ließ

grüßen: Neuwirth trat mit schwarz geschminkten Augen, Zylinder,
Netzstrümpfen und viel nackter Haut unter einem schwarzen Mantel auf.
Motto des Balls war «United in Diversity» (In Vielfalt vereint).

Den Life Ball gibt es seit 1993. Es war eine der größten
Wohltätigkeitsveranstaltungen Europas zugunsten der Aidshilfe. In
den vergangenen Jahren kamen jeweils mehr als zwei Millionen Euro
Erlös für die Unterstützung von Menschen, die mit dem Aids-Erreger
HIV infiziert sind, und zur Bekämpfung der Immunschwäche zusammen.
Jedes Jahr nahmen daran viele Prominente, Models, Politiker und
wohlhabende Spender teil.

Über einen großen weißen Teppich schritten Horrorclowns, Freaks, sexy

Artisten und Paradiesvögel in Regenbogenfarben zum Rathaus. Unter den
Promis waren die US-Schauspielerin Katie Holmes und die deutsche
Schauspielerin Nastassja Kinski. Tänzerin Dita von Teese trat im rot-
weißen Federkleid auf. Die US-Sängerin Keala Settle schmetterte den
Song «This is me» über Toleranz und Gleichberechtigung, dann
erinnerte der Ball an die Stonewall-Aufstände in New York vor 50
Jahren, die als Startpunkt der Lesben- und Schwulenbewegung gelten.

Viele Prominente waren per Videobotschaft dabei, darunter der frühere
US-Präsident Bill Clinton. Lorna Luft, die Tochter von Judy Garland,
sang wie einst ihre Mutter im Film «Der Zauberer von Oz» aus dem Jahr
1939, und zum Schluss «Somewhere Over the Rainbow».

Mitgründer Gery Keszler hatte zuvor angekündigt, es werde der letzte
Life Ball sein. «Wir haben einen Leuchtturm der Lebensfreude gebaut»,
sagte er und musste sich zeitweise mit tränenerstickter Stimme durch
seinen Text kämpfen. «Wir werden uns hier, am Wiener Rathausplatz,
wiedersehen: wenn es das Ende von Aids zu feiern gibt. Das Leben darf
siegen.»

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig will das Ende des Fests nicht
akzeptieren: «Ich bin ganz sicher, die Idee des Life Balls muss
weiter bestehen, weil wir den Life Ball brauchen, auch in Zukunft.
Ich bin bereit dazu, der Life Ball muss weitergehen», meinte er.

Organisator Keszler hatte im Mai mitgeteilt, das Event könne nicht
mehr finanziert werden. Es sei in letzter Zeit immer schwieriger
geworden, Sponsoren und Spender für den Ball gewinnen zu können.