Kramp-Karrenbauer weist Merz-Kritik als pauschal zurück

27.11.2018 18:03

Welchen Anteil hat die CDU am Erstarken der AfD? Die CDU übt sich im
Rennen um den Vorsitz in offener Debatte - und der Ton wird rauer.

Stuttgart (dpa) - Im Streit um den Umgang der CDU mit der AfD drängt
Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer auf eine Erklärung von
Friedrich Merz. «Wenn man bestimmte Personen oder bestimmte
Führungskreise mit diesem Vorwurf belegen will, dann muss man Ross
und Reiter nennen», sagte Kramp-Karrenbauer am Dienstag bei einem
Besuch der CDU-Landtagsfraktion in Stuttgart. Merz indes verteidigte
seine Aussage, wonach die Christdemokraten AfD-Wahlerfolge mit einem
«Achselzucken» zur Kenntnis genommen hätten. Er entgegnete auf
Kramp-Karrenbauers Forderung: «Das werde ich deswegen nicht tun, weil
ich keine pauschalen Vorwürfe erhoben habe.»

Merz sagte, er habe nur seine Meinung gesagt zu dem Thema, und «dass
wir da eben einfach auch in Zukunft stärker darauf achten müssen, wo
uns Wählerinnen und Wähler verloren gehen». Die drei
aussichtsreichsten Bewerber um den CDU-Vorsitz - Kramp-Karrenbauer,
Merz und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn - besuchten am Dienstag
die Fraktion der Christdemokraten im baden-württembergischen Landtag.

Spahn, sagte zum Thema AfD: «Ich bin der Meinung, dass wir eine
Mitverantwortung haben, dass es sie jetzt in 16 Landtagen gibt und
auch im Bundestag, weil wir Vertrauen verloren haben dadurch, dass
Probleme konkret nicht gelöst wurden.» Spahn nannte auch die Art, wie
die CDU debattiert oder auch nicht debattiert habe. «Ich finde es
wichtig, dass in Debatten auch das Gegenargument wertgeschätzt wird
und gewogen wird.» Damit gebe es jetzt eine Chance, die AfD-Wähler
zurückzugewinnen und die AfD wieder verschwinden zu lassen.

Ungeachtet dieser Diskussion bezeichnete Kramp-Karrenbauer die
Auseinandersetzung um den CDU-Vorsitz innerhalb der Partei als «sehr
fair». Sie werde auch weiter fair sein. «Es gibt keine
unterschiedlichen Lager. Es gibt für mich ein Lager - und das ist die
CDU», sagte sie. «Jeder, der sich zu dieser Wahl stellt, muss als
Vorsitzender und auch jetzt als Kandidat dafür sorgen, dass die
Partei am Tag eins nach dem Parteitag geschlossener und stärker ist.»

Die CDU geht in die zweite Hälfte ihrer Regionalkonferenzen im
Wettstreit um den künftigen Parteivorsitz. Die aussichtsreichsten
Kandidaten wollten sich am Dienstagabend in Böblingen bei Stuttgart
bei der fünften von acht Konferenzen der Parteibasis präsentieren.