Laschet, Strobl und Klöckner wehren sich gegen Merz-Vorwurf zu AfD

26.11.2018 11:22

Der Ton zwischen den drei Bewerbern um den CDU-Vorsitz wird rauer -
es geht vor allem um den Umgang mit der AfD. Steht die
Geschlossenheit der Union auf dem Spiel?

Berlin (dpa) - Die stellvertretenden CDU-Chefs Armin Laschet, Thomas
Strobl und Julia Klöckner haben sich gegen den Vorwurf von Friedrich
Merz verwahrt, die Partei habe den Aufstieg der AfD mehr oder minder
gleichgültig zur Kenntnis genommen. Laschet und Strobl sagten am
Montag vor Gremiensitzungen der CDU in Berlin auf die Frage, ob sie
die Entwicklung der AfD achselzuckend zur Kenntnis genommen hätten:
«Nein.»

Laschet führte aus «Wir haben die vor Ort bekämpft und tun das auch
weiter», Strobl äußerte sich ähnlich. Klöckner sagte, alle - auch

Journalisten - müssten sich fragen, wer welchen Anteil daran habe,
dass die AfD so groß geworden sei. Der CDU-nahe Wirtschaftsrat hatte
die Kandidaten für den CDU-Vorsitz zuvor angesichts zunehmender
Attacken davor gewarnt, die Geschlossenheit der Partei zu
beschädigen.

Merz hatte am Wochenende dem Deutschlandfunk gesagt, die CDU habe die
Wahlerfolge der AfD in Bund und Ländern mit einem «Achselzucken» zur

Kenntnis genommen. Der frühere Unionsfraktionschef kandidiert beim
CDU-Parteitag Anfang Dezember neben Generalsekretärin Annegret
Kramp-Karrenbauer und Gesundheitsminister Jens Spahn für die
Nachfolge von Angela Merkel als Parteichefin. Er sagte, die Partei
habe sich damit zufrieden gegeben, selbst nur so stark zu sein, dass
ohne sie nicht regiert werden könne. «Dieser Anspruch ist mir etwas
zu wenig.»

Laschet sagte über den härter werdenden Ton der Kandidaten: «Es geht

ja auch um was.» Alle müssten aber darauf achten, dass die Partei
auch nach der Wahl zusammenbleibe. «Es wird auch Verlierer geben auf
diesem Parteitag. Umso wichtiger ist, dass alle, die jetzt da im
Wettbewerb stehen, auch danach bereit sind, für die CDU weiter zu
arbeiten.»

Auf die Frage, ob es klug sei, das Thema Asyl wieder so in den
Vordergrund zu stellen, sagte Laschet: «Meine Haltung ist ja seit
langem dazu bekannt. Man muss die Probleme lösen. Aber man sollte
nicht ständig über die Probleme diskutieren.» Er begrüße, dass au
ch
der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) deutlich gemacht
habe: «Wir haben gelernt aus den Wahlen, dass Streit über das Thema
Asyl beispielsweise uns nicht weiterhilft.» Er hoffe, dass nun auch
ein Neustart zwischen CDU und CSU beginnen könne.

«Wir bekämpfen die AfD», sagte Strobl. Zum verbalen Schlagabtausch
zwischen den Kandidaten ergänzte er: «Das ist jetzt ein sportlicher
Wettstreit, der tut der CDU insgesamt gut.» In den Kreisverbänden
gebe es lebendige und faire Diskussionen. Am Dienstagabend gehen die
Regionalkonferenzen der CDU zur Vorstellung der Kandidaten mit einer
Veranstaltung in Böblingen weiter. Zur Frage, ob es gut sei, dass das
Thema Asyl in den Runden eine große Rolle spiele, sagte Strobl, es
würden jene Themen diskutiert, die von den Mitgliedern angesprochen
werden. «Es gibt keine Tabuthemen.» Es gehe aber nicht nur um das
Thema Asyl, sondern um eine breite Themenpalette.

Klöckner wollte nicht von einem Streit unter den Kandidaten sprechen.
Wenn diese ihre Haltung deutlich machten, müsse es Unterschiede
geben. «Das ist kein Streit», sondern ein normales Prozedere.

Der Generalsekretär des CDU-nahen Wirtschaftsrats, Wolfgang Steiger,
sagte der Deutschen Presse-Agentur über die Auseinandersetzungen:
«Wenn sich der Umgangston weiter so verschärft und inhaltliche
Diskussionsverbote verhängt werden, wird es auf die Geschlossenheit
der CDU nicht ohne nachhaltige Auswirkungen bleiben.» Der
Wirtschaftsrat vertritt nach eigenen Angaben rund 12 000 Unternehmen.

«Diese Tage drohen beim Wettbewerb der Kandidaten um den CDU-Vorsitz
zum Scheideweg zu werden», warnte Steiger. «Bisher haben sich alle
mit gegenseitigem Respekt behandelt, jetzt will man sich falsch
verstehen, um einen Vorteil zu ziehen.»

Kramp-Karrenbauer hatte am Wochenende die Kritik ihres Konkurrenten
Merz harsch zurückgewiesen. Solche Behauptungen seien «ein Schlag ins
Gesicht» für alle in der CDU, die seit Jahren gegen ständige
Falschinformationen, Anfeindungen sowie in Teilen offene Hetze durch
die AfD kämpften und Tag für Tag Haltung zeigten, sagte sie der
«Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung».